Mo. 08.03.10
Einander zuhören – miteinander reden – voneinander lernen. Diese Intention hat die „Allgäuer Trialogreihe 2010“. Im Rahmen der „Tage der seelischen Gesundheit“ vom 14. bis 25. März in Kempten und Umgebung hat diese interessante Gesprächsform mit Betroffenen, Angehörigen und Professionellen ihre Premiere. „Die Vernetzung untereinander ist wichtig, wir müssen lernen, die gegenseitigen Sichtweisen zu verstehen“, bekennt dazu Maria Johler von der Selbsthilfegruppe der Angehörigen Kempten/Oberallgäu. „Es geht nicht nur um die medizinischen Komponenten, sondern den Erfahrungsaustausch – sozusagen auf neutralem Boden.“
Kempten. Transparenz ist Manfred Thielert vom Gesprächskreis Depression wichtig. Als selbst Betroffener liegt ihm die Aufklärung am Herzen. Seit Ende der Kampagne „Kemptener Initiative gegen Depression“ fehlt es ihm an Zugang zur Öffentlichkeit. „Die Situation hat sich verbessert – damit das so bleibt, müssen wir auch in die Öffentlichkeit gehen.“
Psychologe Michael Binzer vom Sozialpsychiatrischen Zentrum (SPZ) im Diakonischen Werk sieht in der Trialogreihe eine Menge Potential, weist der Idee und Umsetzung sogar eine anthropologische Note zu. „Die Gesprächsform hat ihren Ursprung im sogenannten Psychoseseminar. Der Grundgedanke ist, dass sich Psychose-Erfahrene, Angehörige und Mitarbeiter psychiatrischer Einrichtungen regelmäßig in einem geschützten Raum austauschen, dabei erzählen wie Psychosen erlebt werden und wie verschieden geeignete Hilfen aussehen können.“ Wichtig sei, dass dies unabhängig von der therapeutischen Verantwortung geschehe.
Die Vertreter aller drei Gruppierungen setzen in der Trialogreihe auf Wertschätzung und Achtsamkeit untereinander. „Das ist eine Grundvoraussetzung, damit unser Vorhaben gelingt.“ Denn mit dem Trialog haben die drei Sprecher Zukunftsvisionen. Er soll auch in den kommenden Jahren stattfinden und allgäuweit immer größere Kreise ziehen. Am Anfang einer Veranstaltung steht jeweils ein kurzes Impulsreferat zur Einleitung.
Heuer sind insgesamt vier Gesprächsabende vorgesehen. Neben dem Auftakt am 23. März (Wie viel Schwermut ist zumutbar? - Depression und Familienklima) stehen noch folgende Termine an: 18. Juni (Schizophren – Sag`s bloß niemanden), 1. Oktober (Bipolar – ein Leben auf der Achterbahn) und 19. November (Stigma forever)
* Der Auftakt von „Allgäuer Trialog 2010“ ist am 23. März um 19. 30 Uhr im evangelischen Gemeindehaus, Reichsstraße 1.
Autorin: Monika Rohlmann
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