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Apotheke des Bezirkskrankenhauses Günzburg: Die richtige Arznei für jeden Patienten

21.08.2017 Die Apotheke des Bezirkskrankenhauses Günzburg versorgt Kliniken, Einrichtungen und Rettungswachen in ganz Schwaben mit Medikamenten, und das seit 40 Jahren. Verschiedene Rezepturen stellt sie auch selber her.

Leitender Apotheker Franz-Joseph Seidel präsentiert stolz die Urkunde für erfolgreiche Rezertifizierung seiner Apotheke.
Leitender Apotheker Franz-Joseph Seidel präsentiert stolz die Urkunde für erfolgreiche Rezertifizierung seiner Apotheke. (Bild: Georg Schalk)

Es gibt in Schwaben drei klinische Vollapotheken: Eine davon befindet sich in Günzburg. Sie ist organisatorisch ins Dienstleistungs- und Logistikzentrum am Bezirkskrankenhaus (BKH) eingegliedert, muss aber aus rechtlichen Gründen eine eigenständige Abteilung des Krankenhauses sein. Die Standorte der beiden anderen Klinikapotheken sind Augsburg und Memmingen. Das Landratsamt Günzburg hat die erste Betriebserlaubnis für die örtliche Krankenhaus-Apotheke mit Bescheid vom 26. Oktober 1977 erteilt – also vor 40 Jahren. Seit Oktober 1985 ist die Einrichtung in den Räumen im jetzigen Dienstleistungs- und Logistikzentrum (DLZ) an der Ludwig-Heilmeyer-Straße untergebracht. Vor der baulichen Erweiterung hieß das DLZ noch Versorgungszentrum.

Heute versorgt die Apotheke des BKH neun Kliniken, sieben Rettungswachen, ein Herzkatheterlabor sowie mehrere Therapie- und Reha-Einrichtungen mit Arzneimitteln, apothekenpflichtigen und apothekenüblichen Waren. „Pro Tag werden durchschnittlich 75 Kostenstellen beliefert, freitags 110. Vergangenes Jahr wurden insgesamt mehr als 230000 Anforderungen bearbeitet, davon entfielen knapp vier Prozent auf Sonderbestellungen nicht gelisteter Artikel", nennt Leitender Apotheker Franz-Joseph Seidel Zahlen. Der 58-jährige gebürtige Bochumer leitet die Apotheke seit September 2000. Nach seinem Pharmaziestudium in Mainz erhielt er 1992 die Approbation als Apotheker. Vorher war er Krankenpfleger.

Dass es eine klinische Vollapotheke überhaupt gibt, hat zum einen wirtschaftliche Gründe. „Klinikware unterliegt nicht der Preisbindung, sondern ist frei verhandelbar. Die Arzneimittelpreise werden direkt mit Vertretern der pharmazeutischen Industrie ausgehandelt und die Ware beim Hersteller bestellt. Wir gehören zu einer Einkaufsgemeinschaft, die in der Regel günstigere Konditionen bekommt", erläutert Seidel. Für öffentliche Apotheken gilt die Arzneimittel-Preisverordnung. Auf der anderen Seite übernimmt die Klinik-Apotheke die wichtige Funktion der Beratung. Ihre Mitarbeiter tauschen sich beinahe täglich mit dem ärztlichen und pflegerischen Personal der einzelnen Standorte in Schwaben aus, welche Arzneimittel für die jeweiligen Patienten die besten sind. „Wir beraten die Stationen zu Neben- und Wechselwirkungen, geben Hinweise, wie man die Medikamente einnehmen sollte, zum Beispiel über Ernährungssonden, oder informieren über Aufbrauchfristen, Präparatewechsel und Arzneimittelrückrufe", so der Apotheken-Leiter.

Im halbjährlichen Turnus finden Stationsbegehungen statt. Dort überprüfen die Mitarbeiter der Krankenhausapotheke, ob vor Ort die Lagerhaltung korrekt ist und ob mit den Arzneimitteln ordnungsgemäß umgegangen wird. Die Klinikapotheke richtet pro Jahr etwa zehn Arzneimittel-Konferenzen aus. Zusammen mit Chef- und Oberärzten, Verwaltungsleitern und Pflegedirektoren werden hier Entscheidungen über das Arzneimittelsortiment getroffen sowie apotheken- und versorgungsbezogene Fragen erörtert. „Die Ergebnisse dieser Konferenzen führen zu einer aktualisierten, verbindlichen Arzneimittelliste. Sie stellt eine rationale Standardauswahl von derzeit zirka 2000 Medikamenten dar, die wir vorhalten, und leistet damit einen Beitrag zur Wirtschaftlichkeit, Qualitätssicherung und Arzneimittelsicherheit", berichtet Seidel.

Die Apotheke hat vergangenes Jahr einen Umsatz von etwa 10,2 Millionen Euro gemacht. In der Einrichtung sind 21 Frauen und Männer beschäftigt: Apotheker/-innen, pharmazeutisch-technische Assistentinnen (PTA), pharmazeutisch-kaufmännische Angestellte (PKA) und eine Fachkraft für Lagerlogistik. Zehn von ihnen sind Teilzeitkräfte.

Eine große Bedeutung hat die Eigenherstellung von patientenbezogenen Produkten – „weil man sie nicht kaufen kann", wie der Apotheker betont. Von 7400 Rezepturen, die 2016 hergestellt wurden, waren 7000 Zytostatika. Sie werden vor allem zur Behandlung von Krebs (Chemotherapie) eingesetzt, teilweise auch bei der Behandlung von Autoimmunerkrankungen. Produziert werden in Günzburg neben sterilen Injektionen und Infusionen auch Lösungen, Säfte, Salben, Cremes, Gele, Emulsionen, Pasten, Pulver, Kapseln und Diagnostika (Lösungsmittelgemische). Seidel: „Wir machen viele Individualrezepturen für Konsilanordnungen von Hautärzten zum Beispiel zur Behandlung von Schuppenflechten oder für Patienten in der Schmerztherapie."

Die Stationen bestellen online und bekommen ihre Ware meist noch am gleichen Tag geliefert. Möglich machen dies die betriebseigene Logistik, auf die das BKH zurückgreifen kann, und der Kommissionierautomat der Apotheke, der vor sieben Jahren in Betrieb ging. Dabei handelt es sich um ein System aus zwei Schrägregalwänden, die von außen befüllt werden und bei dem in der Mitte ein Kommissionier-Roboter vor- und zurückfährt. „Etwa 80 Prozent des Vorrates lagert in diesem Automaten", sagt Seidel. Der Rest wird per Hand in die einzelnen Transportboxen und Container gepackt, die dann auf die Reise durch Schwaben geschickt werden.

Um sich die Qualität ihrer Arbeit von unabhängiger Seite bestätigen zu lassen, hat sich die Apotheke des BKH im April 2014 von der Bayerischen Landesapothekenkammer zertifizieren lassen. Vor kurzem gelang die erste Rezertifizierung. „Das hat enorm viel Zeit gekostet. Eine solche Zertifizierung ist zwar noch nicht verpflichtend, kommt uns aber bei den Verhandlungen mit den Krankenkassen zugute", erläutert der Fachapotheker für Klinische Pharmazie.

Wenn er in die nahe Zukunft blickt, bereiten zwei Dinge Seidel Kopfzerbrechen. Da ist zum einen das bevorstehende Entlassmanagement. Krankenhäuser werden bald verpflichtet sein, für Patienten, die sie stationär und teilstationär behandeln, ein solches Entlassmanagement zu organisieren. Dazu soll die Klinik feststellen, ob und welche Unterstützung ein Patient nach dem Krankenhausaufenthalt benötigt, und beispielsweise für die Beschaffung notwendiger Hilfsmittel sorgen oder Medikamente verordnen. „Da werden wir Apotheker bestimmt verstärkt gefragt sein", vermutet der 58-Jährige. Denn neben der Beratung des ärztlichen und pflegerischen Personals ist auch die Beratung von Patienten als Aufgabe der Klinikapotheker gesetzlich verankert. Zum anderen sind nicht zuletzt aufgrund der Globalisierung einzelne Präparate immer schwerer zu bekommen. Das bedeutet für Seidel und seine Kollegen, in größeren Zeiträumen zu denken, größere Puffer einzubauen, gleichzeitig aber darauf zu achten, dass das Verfallsdatum der Produkte nicht überschritten wird, und zu schauen, welche Präparate austauschbar sind, damit Lieferengpässe die Therapie der Patienten möglichst nicht negativ beeinflussen. Seidel: „Unser Ziel ist es, auf der Basis einer guten Kooperation eine qualitativ hochwertige, sichere und wirtschaftliche Arzneimittel-Therapie zu gewährleisten."

www.bezirkskliniken-schwaben.de

Kategorien: Gesundheit

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