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Eindringliche Feier zum Gedenken der ermordeten Patienten der damaligen Heil- und Pflegeanstalt Günzburg

01.08.2019 Am 5. Juli 1940 fand der erste Transport von Patienten aus Günzburg in eines der Vernichtungslager der Naziherrschaft während des Dritten Reiches statt. „Am 5. Juli lässt sich für das örtliche Bezirkskrankenhaus konkret wie symbolisch sein schwärzestes Kapitel festmachen“, sagte Vorstandsvorsitzender Thomas Düll 2015, als die Klinik ihr 100-jähriges Bestehen feierte. Damals wurde das Euthanasie-Denkmal „Haus im Rosengarten“ auf dem Gelände des BKH eingeweiht. Seitdem findet dort jedes Jahr am 5. Juli ein feierliches Gedenken statt.

Im Rosengarten zeigten Patienten und Mitarbeiter gemeinsam die Performance „Standbilder“. Hier wird das Wort „Elend“ pantomimisch dargestellt. (Bild: Wilhelm Wilhelm / BKH Günzburg)

In diesem Jahr versammelten sich mehr als 100 Menschen am Euthanasie-Denkmal – so viele wie noch nie. Das Mahnmal befindet sich zwischen Haus 40 und 50 und ist ein Geschenk des Bezirkes Schwaben – der Mutter – an die Bezirkskliniken – ihre Tochter - und speziell an das BKH Günzburg zu dessen 100. Geburtstag. An der Gedenkfeier nahm die gesamte Krankenhausleitung teil mit Leitendem Ärztlichem Direktor Professor Dr. Thomas Becker, Pflegedirektor Georg Baur und Regionalleiter Wilhelm Wilhelm sowie der Geschäftsleiter von Wohnen und Fördern Gerhard Becker und der Leiter des Dienstleistungs- und Logistikzentrums (DLZ) der Bezirkskliniken, Manfred Nölp.
Prof. Becker begrüßte die Mitarbeiter und Patienten des BKH, die Bewohner des außenklinischen Bereichs „Wohnen und Fördern“ sowie Angehörige und Interessierte. Im gläsernen Dach des Mahnmals – ein offener Pavillon - sind die Namen von 394 Patientinnen und Patienten der früheren Heil- und Pflegeanstalt festgehalten, die 1940 und 1941 in Tötungsanstalten deportiert und dort ermordet wurden. Mit der Einweihung des Denkmals sei ein Zeitalter des Erinnerns, Gedenkens und Mahnens im Sinne von „Nie wieder“ und „Wehret den Anfängen“ am BKH Günzburg eingeläutet worden, sagte Becker.
Zum Mahnmal gehört auch der neu gestaltete Rosengarten. Die Bewohner von Haus 50, das sich gegenüber befindet, pflegen ihn. Beim Gedenktag wurde dort eine Stele mit einer Platte enthüllt, auf der ein Gedicht von Gernot Kirschner verewigt ist. Der Bewohner von „Wohnen und Fördern“ hatte es selbst geschrieben und 2018 erstmals vorgetragen. Das kam so gut an, dass Kirschner es 2019 erneut vorlesen sollte. Parallel dazu wurde eine Stele enthüllt. „Wir müssen das Wissen über das Verbrechen Aktion T4 wahren und weiter geben, und dies den Nachkommen nahe legen“, ist darauf zu lesen.
Kunsttherapeutin Susanne Jarisch-Wohlwend und Pfarrerin Ulrike Berlin von der Klinikseelsorge zeigten im Rosengarten gemeinsam mit BKH-Patienten die Performance „Standbilder“. Während ein Akteur zum Beispiel eine Tafel mit dem Begriff „Elend“ hochhielt, sackten die Mitwirkenden symbolisch zusammen. Beim Schlagwort „Frieden“ wurde gejubelt, ohne ein Wort zu sagen. Am Ende gingen alle Patienten auf die Besucher zu und reichten ihnen die Hände. Für diesen kreativen Ausdruck von „Menschlichem und Unmenschlichem“ durch Gestik und Mimik gab es viel Applaus.
Ein Trio um Musiktherapeutin Elisabeth Bauer umrahmte die Gedenkfeier musikalisch. Dabei ragte die Sangesdarbietung einer Patientin heraus, die die Lieder „Someone like you“ von Adele und „We are the World“ von Michael Jackson zum Besten gab. Ein „Come together“ rundete die beeindruckende Veranstaltung ab.

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Kategorien: Gesundheit