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Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendliteratur: Josef-Guggenmos-Preis für Kinderlyrik 2018 an den Wiener Dichter Michael Hammerschmid verliehen

20.11.2018 Am 16. November wurde im Festsaal des ehemaligen Reichsstifts Irsee im Allgäu der Josef-Guggenmos-Preis für Kinderlyrik 2018 verliehen. Ausgezeichnet wurde der Wiener Dichter Michael Hammerschmid für seinen Gedichtband Schlaraffenbauch, herausgegeben und illustriert von Rotraut Susanne Berner, erschienen in den Tollen Heften der Edition Büchergilde.

Am 16. November wurde der Josef-Guggenmos-Preis für Kinderlyrik der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur an Michael Hammerschmid verliehen. (Bild: Harald Langer, Kaufbeuren)

Die Laudatio hielt der Lyriker Arne Rautenberg, Preisträger von 2016. Er lobte das preisgekrönte Buch als ein Musterbeispiel dafür, „wieviel Text und Bild sich gegenseitig geben können, ja dafür, dass für manche Höhenflüge schlichtweg zwei Flügel nötig sind.“ Grundlage für solche Qualität ist natürlich die Sprache, die Rautenberg so beschrieb: „Nichts muss sich reimen, alles darf sich fügen.“

Michael Hammerschmid betonte in seiner Dankesrede den „augenzwinkernden Ernst“, mit dem Gedichte zugleich in und über ihrer Zeit stehen. Wer Gedichte für Kinder schreibt, geht gegen die Einteilungen an, die durch die getrennten Regale in den Buchhandlungen sichtbar werden. Lyrik ist „Sprache gewordenes Staunen“.

Die Preisverleihung war eingebettet in die zweitägige Fachtagung „Eine neue Sicht auf das Kindergedicht“, ausgerichtet von der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur und der Schwabenakademie Irsee.

Hans-Heino Ewers plädierte für eine Befreiung der Lyrik von der in Schulen verbreiteten Interpretations-Manie, die dem Genuss von Gedichten den Garaus mache. Hans-Joachim Gelberg, ein Vierteljahrhundert lang Verleger von Josef Guggenmos, schilderte in ebenso aufschlussreichen wie bewegenden Worten, wie er mit diesem bescheidenen, aber ungeheuer fleißigen Dichter (1922 – 2003) Buch um Buch gemacht hat. Die Autorin und Übersetzerin Susan Kreller sprach über das Glück und die Tücken der Lyrik-Übersetzung. Nadia Budde, selbst preisgekrönte Dichterin und Illustratorin in einer Person, ging der Frage nach, wie ein Bild etwas erzählt, was über den Text hinausgeht. Der Lyriker und Übersetzer Uwe-Michael Gutzschhahn beschäftigte sich mit der Erfahrung, dass Kinder viel freudiger mit Gedichten umgehen, als Erwachsene das oft annehmen: „Kinder wollen spielen – Erwachsene verstehen.“ Paul Maar, der bei seinen Veranstaltungen mit Kindern jeweils zur Hälfte Gedichte und Geschichten einsetzt, kam einer Antwort auf die „eigentlich unlösbare Frage, warum Kinder Gedichte lieben“ ziemlich nahe: „Unter dem Schutzmantel des Reims darf man Dinge sagen, die sonst nicht erlaubt sind.“
In einem abschließenden Podiumsgespräch kamen weitere Experten und Praktiker zu Wort. Die Lehrerin und Autorin Heidemarie Brosche wies auf die „sprachlich arme andere Welt“ hin, in der viele Mittelschüler leben, bei denen sie mit dem Schreiben eigener Rap-Gedichte erstaunliche Erfolge verzeichnet. Petra Albers, Verlagsleiterin von Beltz & Gelberg, verbreitete vorsichtige Zuversicht, dass Gedichte für Kinder heute einen besseren Stand hätten als zu Guggenmos’ Lebzeiten. Ein genussvoller Höhepunkt der Tagung war das „lyrische Frühstück“, bei dem alle anwesenden Dichter neue und alte Gedichte vortrugen. Eben deshalb spricht nichts dagegen, Uwe-Michael Gutzschhahns Idee in die Tat umzusetzen: Nicht um eine Lehrplanpflicht zu erfüllen, sondern um Lust auf Sprache zu machen, wird zu Beginn jeder Deutsch-stunde – von der 1. bis zur 13. Klasse – ein Gedicht vorgelesen. An den Dichtern jedenfalls wird es nicht scheitern.
"Gib mir einen auftrag - und ich dichte ihn dir" heißt es in Michael Hammerschmids Gedicht "Der Schlaraffenbauch".
Ganz oben auf der Agenda standen so auch Lesungen und Workshops der anwesenden Dichter in Schulen in Irsee und Kaufbeuren, was den Mehrwert des Lyrik-Arrangements für die Region noch einmal auf besondere Weise unterstrich.

Das Preisgeld wird gestiftet von der Kulturstiftung Irsee und der Raiffeisenbank Kirchweihtal. Die Veranstaltung wird gefördert von der Akademie Faber-Castell, dem Markt Irsee, der Kurt und Felicitas Viermetz Stiftung und aus Spendenmitteln der bayernweiten Gewinnsparlotterie „Sparkassen-PS-Sparen und Gewinnen“.

www.akademie-kjl.de

www.schwabenakademie.de

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