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Ernährungswissenschaftler am Bezirkskrankenhaus Günzburg suchen Teilnehmer für eine Studie

14.11.2016 Das Forschungsgebiet der Ernährungspsychiatrie steckt noch in den Kinderschuhen. Ein erster Schritt in diesem großen, vielversprechenden Forschungsgebiet ist es, die Lebensmittelauswahl von Patienten mit psychischen Erkrankungen zu erfassen. In einem Forschungsprojekt geht es nun vor allem darum, eine Methode der Ernährungsdokumentation zu finden.

ein Teller Tomatensuppe, auf die mit Sahne ein Smiley gemalt ist, wird mit dem Smartphone fotografiert
Teilnehmer an der Studie müssen lediglich fotografieren, was sie über den Tag verteilt zu sich nehmen. (Bild: )

Die Tage werden kürzer und die Nächte kälter. Oft bleibt die Sonne den ganzen Tag von Wolken verhüllt. Die dunkle Jahreszeit hat begonnen. Viele Menschen fühlen sich nun schlapp und antriebslos. Einige reagieren auf die zunehmende Dunkelheit mit depressiven Verstimmungen und entwickeln einen verstärkten Appetit auf Süßigkeiten. Manche Süßigkeiten, wie zum Beispiel Bitterschokolode, enthalten stimmungsfördernde Stoffe. Sie können zu einer schnellen Gewichtszunahme und dem sogenannten Winterspeck führen. Teilweise handelt es sich hierbei um eine Winterdepression, eine spezielle Art der Depression mit leicht abgeschwächten Symptomen, die saisonal auftritt.

Der Zusammenhang zwischen der psychischen Verfassung und der Ernährung mit deren negativen Folgen sind an diesem Beispiel gut nachvollziehbar. Ähnliche Mechanismen – nur weitaus ausgeprägter – vermutet man auch bei behandlungsbedürftigen Patienten mit psychischen Erkrankungen. Die Ernährung ist deshalb schon längst in das Visier der Wissenschaftler am Bezirkskrankenhaus (BKH) Günzburg gerückt. „Insbesondere in dieser Patientengruppe ist es wichtig, dass die Ernährung die wichtigen Vitalstoffe liefert und dass leere Kalorien den Körper nicht unnötig belasten“, berichtet Diplom-Ernährungswissenschaftlerin Annabel Müller-Stierlin. Sie sieht in einer ausgewogenen Ernährung eine garantiert nebenwirkungsfreie Begleittherapie, welche nicht nur die psychischen Symptome positiv beeinflusst.

Das Forschungsgebiet der Ernährungspsychiatrie steckt noch in den Kinderschuhen. Ein erster Schritt in diesem großen, vielversprechenden Forschungsgebiet ist es, die Lebensmittelauswahl von Patienten mit psychischen Erkrankungen zu erfassen. In einem Forschungsprojekt im Rahmen der Nachwuchsakademie Versorgungsforschung, welches vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst in Baden-Württemberg finanziert wird, geht es nun vor allem darum, eine Methode der Ernährungsdokumentation zu finden. Diese Methode soll idealerweise für die Patienten nicht zu belastend und zeitraubend sein, dennoch aussagekräftige Ergebnisse für die Wissenschaftler liefern. Die Hoffnung liegt insbesondere in der digitalen Methode.

Hierbei müssten die Patienten „nur“ fotografieren, was sie über den Tag verteilt zu sich nehmen. Die Studienteilnehmer sollen zum Vergleich auch die herkömmlichen Methoden der Ernährungsdokumentation, das Wiegeprotokoll und das Ernährungstagebuch anwenden. Basierend auf den Bildern, den Ernährungstagebüchern und den Wiegeprotokollen werden die Lebensmittel und Portionsgrößen bestimmt. Dank einer Ernährungssoftware kann dann bestimmt werden, wie viele Kalorien, Kohlenhydrate und wie viel Eiweiß und Fett eine Person am Tag zu sich genommen hat.

Die Günzburger Forschergruppe sucht Patienten im Alter von 18 bis 65 Jahren, die aufgrund einer psychischen Erkrankung in Behandlung sind und die an dieser Studie teilnehmen möchten. „Natürlich ist der Datenschutz gewährleistet“, verspricht Müller-Stierlin. Sobald die Bilder ausgewertet sind, werden alle personenbezogenen Daten gelöscht. Als Dankeschön erhalten die Teilnehmer eine finanzielle Aufwandsentschädigung und eine wissenschaftliche Beurteilung ihrer Ernährungsweise. Durch die Teilnahme können sie außerdem dazu beitragen, dass eine geeignete Methode zur Bestimmung des Ernährungsverhaltens gefunden wird. In weiteren Projekten könnten dann Therapien zur Vermeidung der Medikamenten-induzierten Gewichtszunahme entwickelt werden. Auf diese Weise soll für Patienten eine Verbesserung der psychiatrischen Versorgung angestrebt werden.

Weitere Informationen und Anmeldung bei Annabel Müller-Stierlin, Telefon 08221-9629202, annabel.mueller-stierlin@bkh-guenzburg.de

Kategorien: Gesundheit