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Fische mit blauen Punkten vor den Toren Kemptens: Fischereifachberatung weist Erfolg der Wanderhilfen an der Iller nach

29.10.2018 Kempten (db). Die Anlage großer Umgehungsbäche, der sogenannten Wanderhilfen oder Fischtreppen, an der Iller hat sich gelohnt: Ein Team der Fischereifachberatung des Bezirk Schwaben konnte in der Nähe von Kempten erstmals nachweisen, dass Fische über die an Staustufen eingerichteten Wanderhilfen den viele Kilometer langen Aufstieg an der Iller tatsächlich bewältigen können.

Foto des Fisches, der mit zwei Händen über einem Wasserbecken gehalten wird
Die blauen Markierungen an den hinteren Flossen belegen: Diese Barbe hat in der Iller dank der Fischwanderhilfen den weiten Weg von Altusried bis Kempten zurückgelegt. (Bild: Daniel Beiter / Bezirk Schwaben)

Um herauszufinden, ob flussaufwärts wandernde Fische wie Barbe und Nase die mit Unterstützung der Fischereifachberatung angelegten Fischtreppen annehmen, wurden seit 2014 alle aufsteigenden Fische an fünf Iller-Staustufen mit blauen Punkten markiert. Auftraggeber des Projekts sind die Bayerischen Elektrizitätswerke (BEW). Unter den Fischen, die nun im Rahmen einer Fischbestandsaufnahme nordwestlich von Kempten überprüft wurden, war eine Barbe, die laut ihrer Markierung unterhalb der Illerstufe 4 bei Altusried losgeschwommen und somit mindestens 16 km die Iller flussauf geschwommen war. Ein weiterer Fisch, ein Flussbarsch, startete seine Wanderung sogar unterhalb Illerstufe 6 bei Legau, brachte also 28 Kilometer und die drei Wanderhilfen der Staustufen bei Legau, Fluhmühle und Altusried hinter sich.

Gewässerbiologe Tobias Epple, der seine Doktorarbeit über das Monitoring zwischen Altusried und Lautrach schreibt, zeigt sich hoch erfreut über den Nachweis: „Der ökologische Zustand der oberen und mittleren Iller ist, wenn man die Vorgaben der europäischen Wasserrahmenrichtlinie zugrunde legt, derzeit als ‚nicht gut‘ eingestuft. Grund dafür ist, dass wandernde Fischarten fehlen. Dass die Iller über die neu gebauten Fischtreppen wieder durchwandert werden kann, ist zur Stärkung der heimischen Wanderfischarten unerlässlich.“ Im Gebiet der unteren Iller gebe es noch Restbestände dieser Fischarten.

„Wir hoffen nun, dass die ersten Fische bald im sogenannten ‚Seifener Becken‘ ankommen und es zu einer erfolgreichen Wiederbesiedlung kommt“, erklärt Dr. Oliver Born, Fischereifachberater für den Bezirk Schwaben. Der Fischbestand im Seifener Becken bei Immenstadt ist derzeit ebenfalls noch als „nicht gut“ eingestuft. Auch dort sollen die Investitionen in die Gewässerstruktur der Iller bald ihre Früchte tragen – und den gelungenen Erstnachweisen noch viele weitere Fische folgen, damit die Iller einen ökologisch „guten“ Zustand erreicht.

Kategorien: Natur und Umwelt