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Landestheater Schwaben: Die ersten Premieren in der neuen Spielzeit

13.09.2017 An einem besonderen Spielort, in Breckel’s Brasserie, startet das Landestheater Schwaben in eine neue Spielzeit.

Darstellerin: Regina Vogel als Jette
Das Junge Theater mit "Schlafen Fische?" - Jette (Bild: Karl Forster)

Dort feiert die Liebeskomödie „Eine Sommernacht" am Donnerstag, 5. Oktober, um 20.00 Uhr Premiere. Das Stück von David Greig und Gordon McIntyre ist eine hinreißend schräge Romanze für das neurotische 21. Jahrhundert. In einer rauschhaften Sommernacht in Edinburgh begegnen sich zwei frustrierte Mittdreißiger in einer Bar: Die Spitzenanwältin Helena und der Kleinkriminelle Bob. Die beiden haben neben ihrem Alter nichts gemeinsam. Es folgt ein eher unspektakulärer One-Night-Stand, und nichts, aber auch gar nichts, spricht für ein Wiedersehen. Ein paar persönliche Pannen später begegnen die zwei sich aber doch wieder: Helena in einem ruinierten Brautjungfernkleid und Bob mit schlechter Laune. „Eine Sommernacht" erzählt mit Musik die immer wieder große Geschichte der Liebe.

Am Freitag, 6. Oktober 2017, 20.00 Uhr, findet im Großen Haus mit der politischen Farce „Wunder Bares Europa" eine deutschsprachige Erstaufführung des Stücks aus der Feder britischen Autors Richard Bean statt. Diese furios komponierte Erfolgskomödie zeigt die europäische Sache in den Fallstricken von Lobbyarbeit, Machtstreben und zwischenmenschlichen Beziehungen. Eine Luxussuite wird zum absurden Schauplatz von Verwicklungen religiöser und erotischer Interessen, Diplomatie und Identitätskrisen. Erfolgsautor Bean blickt brisant und höchst unterhaltsam hinter die Kulissen einer Europapolitik von Verträgen, Deals und Institutionen. Während die Idee Europa bröckelt, sich die politischen Ränder radikalisieren und die Mitte umso heftiger um ihre Lebensentwürfe kämpft, plädiert „Wunder Bares Europa" subtil für den gesunden Menschenverstand.

Die zweite Premiere im Großen Haus ist am Freitag, 13. Oktober, 20.00 Uhr, Kleists romantisches Ritterspiel „Das Käthchen von Heilbronn" in der Inszenierung der Intendantin Kathrin Mädler. Es ist Kleists beliebtestes Stück und sein rätselhaftestes – ein Spektakel, angefüllt mit mysteriösen Begebenheiten wie einem lebensrettenden Cherub, weissagenden Träumen und einem düsteren Geheimgericht. Es ist eine der schönsten und zugleich eigenartigsten Liebesgeschichten der deutschen Theaterliteratur. Mit „Das Käthchen von Heilbronn" schuf Kleist ein geheimnisvolles Traumstück, ein theatrales Spektakel um Liebe und Sehnsucht, Wirklichkeit und Fiktion. Es begeisterte schon immer mit eigenwilliger, kraftvoller Sprache und spannenden Identifikationsfiguren.

Im Studio startet die Saison am Samstag, 14. Oktober, um 20 Uhr mit „4Min 12Sek". James Fritz hat ein packendes Kammerspiel verfasst, das am Landestheater Schwaben nach großen Erfolgen in London zur deutschsprachigen Erstaufführung kommt. Mit Anleihen aus Krimi und Psychodrama ist es zudem witzig und vor allem hochaktuell. Der 17-Jährige Jack ist der Augapfel seiner Eltern Di und David, die ihm jeden Stein aus dem Weg räumen. Sie wünschen sich für ihn ein Leben voller Möglichkeiten. Und es läuft gut: Jack ist sympathisch, clever und beendet gerade erfolgreich die Schule – ein Jurastudium winkt. Doch da passiert es: Ein Video im Internet, das Jack beim Sex zeigt, wirft Fragen auf und droht alles zu ruinieren. Wer hat das Video hochgeladen und was ist überhaupt zu sehen? Di und David beginnen an allem zu zweifeln: an Jacks Freunden, an Jack und zuletzt an sich selbst – was ist die Wahrheit und gibt es sie überhaupt? Was als modernes Märchen beginnt, wird zum emotionalen Krimi, in dem moralische Sicherheiten kollabieren und Beziehungen wie Kartenhäuser zusammenbrechen. Dieses Stück trifft den Nerv einer Zeit, in der Smartphones und Selfies allgegenwärtig sind und die Privatsphäre sich auflöst.

Das Junge Theater startet am Sonntag, 22. Oktober, um 15.00 Uhr im Studiofoyer in die neue Saison: Höchst sensibel nähert sich „Schlafen Fische?" einem der wenigen Tabuthemen unserer Zeit, dem Sterben eines geliebten Menschen. Aus kindlicher Perspektive, beherzt, manchmal sehr lustig und oft melancholisch, entspinnt sich das Nachdenken über Trauer, Liebe und Tod – eben die ganz großen Fragen der Existenz.

Jette ist gerade zehn geworden. Ihr kleiner Bruder Emil konnte ihren wichtigen Geburtstag nicht mehr miterleben, denn er ist schon mit sechs Jahren an einer unheilbaren Krankheit gestorben. Jette fragt sich, warum manche Menschen hundert werden und andere nicht mal zehn? Warum sie weiterleben muss ohne Emil? Und ob ihre Eltern jemals wieder fröhlich werden und Jette nicht mehr so wütend. Aber sie erinnert sich auch an die gemeinsame Zeit mit ihrem Bruder, an Familienurlaube und Streitereien, an all die Dinge, die Emil gerne mochte und an seine Frage, ob die Fische schlafen...

Jens Raschkes Monolog wurde in der Uraufführungsinszenierung ausgezeichnet mit dem „KinderStückePreis" der Mühlheimer Theatertage 2012. Er macht das Theater auf schönste Weise zum kraftvollen und poetischen Ort der Erinnerung und des Trostes – auch für alle erwachsenen Zuschauer. Es wird empfohlen für Zuschauer ab 10 Jahren.

Kategorien: Kultur und Heimatpflege