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Landestheater Schwaben: Premieren und Extras im April

01.03.2019 Im April gibt das Landestheater Schwaben im Rahmen einer Matinee exklusiv den Spielplan für die Saison 2019/2020 bekannt.

Im Großen Haus hat mit "Die bitteren Tränen der Petra von Kant" eine Gesellschaftssatire und ein Melodrama, aber auch eine Versuchsanordnung über die verschiedenen Möglichkeitsformen menschlicher Beziehungen, Premiere. Außerdem findet der "Dead or alive Poetry Slam"statt - hochkarätige Poetry-Slammer werfen sich ins Duell gegen die Größen der Literaturgeschichte. Im Studio wird es zwei Premieren geben: Zum einen "Das große Heft"von Ágota Kristóf, ein unfassbar starkes, sehr eigenes Zeugnis gegen den Krieg. Zum anderen "Nach all der langen Zeit", ein Abend von und mit Ensemblemitglied Regina Vogel, der sich mit der Frage beschäftigt wie Emanzipation heute aussieht. Das Stück ist im Rahmen der neuen Reihe "Werkstatt - Ensemble macht Theater" entstanden, in der Mitglieder des Schauspielensembles zeigen, was sie künstlerisch bewegt.

Premiere: Die Bitteren Tränen der Petra von Kant

Schauspiel von Rainer Werner Fassbinder

Der 1945 in Bad Wörishofen geborene Autor und Regisseur Rainer Werner Fassbinder ist als genauer Chronist des aufblühenden Nachkriegsdeutschlands dank seiner provokanten Gesellschaftssicht heute bestechend aktuell. Mit durchdringendem Blick zerlegt er die schönen Fassaden einer kapitalistischen Gesellschaft und findet dahinter Kälte und Ausbeutung.

Petra von Kant steht nach Jahren harter und ehrgeiziger Arbeit dort, wo sie immer hinwollte: Sie ist eine gefragte Modedesignerin. Doch selbst der größte Erfolg kann Petra nicht erfüllen. Sie hat eine dramatisch gescheiterte Ehe zu verkraften, fühlt sich leer und ausgebrannt und flüchtet in den Alkohol. Als die junge Karin Thimm bei Petra auftaucht, scheint eine Veränderung möglich. Fasziniert stürzt sich Petra auf die junge Frau und entwickelt regelrecht obsessive Gefühle für sie. Mit Luxus und der Aussicht auf Erfolg als Model versucht sie das Mädchen an sich zu binden. Doch Karin wird die Beziehung schnell zu eng und sie verlässt Petra...

Fassbinder zeichnet in seinem Kammerspiel (1972) eine faszinierende und schillernde Frauenfigur vor den Trümmern ihrer gesellschaftlichen Existenz. Petras glamouröses Leben entpuppt sich als ein kaltes Gefängnis. Jeder Versuch, Liebe zu leben, wird ihr zur Abhängigkeit, Obsession oder Verletzung. "Die bitteren Tränen der Petra von Kant" ist Gesellschaftssatire und Melodrama, aber auch eine Versuchsanordnung über die verschiedenen Möglichkeitsformen menschlicher Beziehungen.

Premiere: 05. April 2019 – 20:00 Uhr – Großes Haus

Weitere Aufführungen: 10., 13. und 28. April 2019, 07. und 16. Mai 2019

Inszenierung: Krzysztof Minkowski - Bühne und Kostüme: Konrad Schaller - Dramaturgie: Thomas Gipfel

Besetzung: Anke Fonferek - Claudia Frost - Miriam Haltmeier - Elisabeth Hütter - Jan Arne Looss - Regina Vogel

Extra: "Dead or Alive poetry Slam"

Slam-Poeten gegen Legenden der Literatur

Das Landestheater Schwaben und die im Kaminwerk beheimateten Poetry Slam Helden von "Vorsicht Dichter!" machen während der Kabarett-Tage 2019 die Probe aufs Exempel: Mag das Memminger Publikum lieber lebende oder tote Dichter?

Hochkarätige Poetry-Slammer werfen sich ins Duell gegen die Größen der Literaturgeschichte. Drei Schauspieler des Landestheaters Schwaben leihen dem Team des Todes Körper und Stimme. Wer wird es sein, der aus der Gruft auf die Bühne steigen wird? Jeder Dichter – egal ob tot oder lebendig – hat nur wenige Minuten, um die Publikumsjury von seinem Vortrag zu überzeugen. Wer wird in diesem Dichterwettstreit das Rennen machen? Der Tod? Das Leben? Am Ende entscheidet das Publikum und wählt seinen Sieger!

Termin: Montag, 08. April 2019 – 20:00 Uhr – Großes Haus.

Aufführungsdauer: ca. 2,5 Stunden, inkl. einer Pause

Karten: 15 Euro, erm. 10 Euro

Mit: Fabian Navarro, Thomas Schmidt, N.N. von "Vorsicht Dichter!" und David Lau, Tobias Loth, Klaus Philipp vom Landestheater Schwaben

Premiere: "Das große Heft"

Nach dem Roman von Ágota Kristóf

Mit verstörend sachlicher Sprache beschreibt Ágota Kristófs Chronik einer Zwillingskindheit schonungslos, wie Entmenschlichung zu Kriegszeiten funktioniert. Die ungarisch-schweizerische Autorin baut mit kurzen, lakonischen Sätzen die Welt zweier vernachlässigter Kinder auf, die sich mit ihrer eigenen, methodisch vorangetriebenen Verrohung gegen die brutale Umwelt schützen. "Das große Heft" ist einer der bedeutendsten Romane des 20. Jahrhunderts.

Der Krieg bringt eine Mutter dazu, ihre Zwillingssöhne aus der Stadt zur entfremdeten Großmutter aufs Land zu bringen. Um mit dieser kompletten Entwurzelung und der Brutalität des Krieges umgehen zu können, erfinden die Zwillinge einen perfiden Versuchsaufbau. Sie verletzen sich gegenseitig, um sich physisch abzuhärten. Sie beschimpfen sich, um sich psychisch zu stählen. Gefühle werden ausgemerzt, da sie angreifbar machen. Liebe, Freude und auch Trauer stören nur beim Überlebenskampf. Gewalt, Diebstahl, Vergewaltigung und Mord sind Nebensächlichkeiten, die akzeptiert und bald selbst ausgeübt werden. Alle Erlebnisse werden auf ihre Wahrhaftigkeit hin geprüft. Was wahr ist, ist auch gut und wird emotionslos und analytisch in das große Heft eingetragen. Die Zwillinge steigern sich in einen Rausch aus distanzierter Gewalt, aus dem sie keinen Ausweg mehr finden.

Ágota Kristóf zeigt, wie Menschen ihre Menschlichkeit aufgeben und sich einer Welt der Hoffnungslosigkeit und Unmoral anpassen. Der Text ist ein unfassbar starkes, sehr eigenes Zeugnis gegen den Krieg, der hier aus Kindern unnahbare Monster macht; ein künstlerisches Mahnmal gegen Gewalt, die auf unserer Welt gerade jetzt irgendwo wieder neu ausgetragen wird. Ein Stoff, der seine Aktualität so schnell nicht verlieren wird.

Premiere: Samstag, 12. April 2019 – 20:00 Uhr – Studio

Weitere Aufführungen: 14. und 17. April 2019, 10., 18., 24., 25. und 31. Mai 2019, 01. Juni 2019

Schulvorstellungen und auswärtige Aufführungen siehe Spielplan

Inszenierung, Bühne und Kostüme: Max Claessen - Musik: Sebastian Kern - Dramaturgie: Anne Verena Freybott

Besetzung: Jens Schnarre - Sandro Šutalo

Extra: Vorstellung der Spielzeit 2019/2020

Das Leitungsteam des Landestheaters Schwaben stellt exklusiv das gerade veröffentlichte Programm der Spielzeit 2019/2020 vor. Eintritt frei – Zugangskarten gibt es an der Theaterkasse. Breckel`s Brasserie bietet Kaffee und Kaltgetränke an.

Termin: Samstag, 27. April 2019 – 11:00 Uhr – Foyerbühne

Premiere: "Nach all der langen Zeit"

Ein Abend mit Songs und Szenen

Von und mit Regina Vogel & einem Pianisten

In der neuen Reihe "Werkstatt - Ensemble macht Theater" des Landestheaters Schwaben zeigen Mitglieder des Schauspielensembles was sie künstlerisch bewegt. Die WERKSTATT ist Raum für Experimentelles, Interdisziplinäres und Phantastisches. Schauspieler*innen realisieren eigene theatrale Ideen, Projekte und Konzepte.

"Nach all der langen Zeit", ein Abend mit Songs und Szenen von und mit Regina Vogel, beschäftigt sich mit der Frage wie Emanzipation heute aussieht. Vieles scheint von Simone de Beauvoir und anderen bedeutenden Feministinnen (zumindest in Deutschland) erreicht. Wir haben ein weibliches Staatsoberhaupt, die Ehefrau muss ihren Mann nicht mehr um Erlaubnis bitten zu arbeiten, Vergewaltigung in der Ehe ist strafbar und endlich heißt das „Nein" auch vor dem Gesetz „Nein". Politik und Wirtschaft sollen weiblicher werden, Frauenquoten werden durchgesetzt...

Aber was heißt es wirklich, sich zu emanzipieren? Wovon müssen wir uns heutzutage als Frauen emanzipieren - jede einzelne von uns und immer wieder von Neuem? Von der Gesellschaft? Dem Kapitalismus? Der Vergangenheit? Der Angst vor unserer Sexualität und der Verletzlichkeit, die mit ihr einhergeht?

Die musikalisch-szenische Collage "Nach all der langen Zeit" beschäftigt sich genau mit diesen Fragen und lädt Frauen wie Männer dazu ein, das so oft verwendete Wort Emanzipation noch einmal komplexer zu betrachten.

 

Premiere: Samstag, 27. April 2019 – 20:00 Uhr – Studio

Weitere Aufführungen: 09., 14. und 17. Mai 2019

Dramaturgie: Thomas Gipfel

Pressekontakt und weitere Information:
Eva-Maria Trütschel
Pressereferentin und Assistentin der Theaterleitung
Tel: 0 83 31- 94 59 10
truetschel@landestheater-schwaben.de

www.landestheater-schwaben.de

 

Kategorien: Kultur und Heimatpflege