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Premiere: Nebel im August - Der Fall Ernst Lossa vor Gericht

von links nach rechte: Dr. Kathrin Mädler, Alfons Weber, Dr. Stefan Raueiser
Pressekonferenz zur Premiere Nebel im August (Bild: Hannah Ruppert)

08.03.2018 NEBEL IM AUGUST erzählt in der Montage einst vergessener Prozessakten, Zeugenaussagen und Berichten von dem heute noch viel zu wenig beachteten Euthanasie-Kapitel während des Nationalsozialismus. Eindringlich und exemplarisch nähern sich die Erinnerungen dabei auch der Geschichte des jenischen Jungen Ernst Lossa.

Alfons Weber (Bezirkstagsvizepräsident des Bezirks Schwaben), Dr. Stefan Raueiser (Leiter Bildungswerk und Bildungszentrum Irsee) und Dr. Kathrin Mädler (Intendantin, Landestheater Schwaben) stellen die Produktion, Kooperation und Begleitprogramm vor.

NEBEL IM AUGUST erzählt in der Montage einst vergessener Prozessakten, Zeugenaussagen und Berichten von dem heute noch viel zu wenig beachteten Euthanasie-Kapitel während des Nationalsozialismus. Eindringlich und exemplarisch nähern sich die Erinnerungen dabei auch der Geschichte des jenischen Jungen Ernst Lossa. Grob abgestempelt als „Zigeunersohn“ geriet er in die grausame Maschinerie gegen „unwertes Leben“. Für diese Uraufführung verarbeitete der preisgekrönte Dramatiker John von Düffel umfassende Recherchen des Journalisten Robert Domes und Teile dessen gleichnamigen berührenden Jugendromans. Augsburg, am 2. August 1949: Auf der Anklagebank ergreift der ehemalige Anstaltsleiter aus Kaufbeuren Dr. Faltlhauser das Wort. Er verteidigt Haltung und Beweggründe, die grausige Normalität des ‚Alltags’ in der Anstalt. An den Bruchlinien der historischen Dokumente und Erinnerungen taucht das Ensemble ein in die Vergangenheit, ohne das Heute zu verlieren. Sprache und Logik der psychiatrischen Gutachten und die Szenen um Ernst Lossa machen die Zurichtung spürbar, die ein gesunder Mensch in einem gestörten System erfährt. Abgestempelt als das eines „triebhaften Psychopathen“ wird Ernst Lossas Leben nach knapp 15 Jahren mittels einer tödlichen Injektion durch Anstaltsmitarbeiter beendet. Berührend aber auch investigativ stellt sich „Nebel im August“ den Widersprüchen, Irrationalitäten und der Logistik dieses Euthanasie-Kapitels deutscher Geschichte. Das Stück stellt Fragen nach den Ängsten vor dem Fremden, Vielfältigen, Unangepassten. Kinderheime in Augsburg, dann psychiatrische Anstalten in Markt Indersdorf, Kaufbeuren und Irsee: die letzten Stationen von Ernst Lossas Leben zeigen, wie sehr seine Geschichte auch ein Teil schwäbischer Vergangenheit ist.

I: Kathrin Mädler, B & K: Ulrich Leitner, D: Miriam Grossmann
Mit: Elisabeth Hütter, Regina Vogel, Jan Arne Looss, Georg Grohmann, Jens Schnarre, André Stuchlik
Premiere: Fr., 16. März, 20 Uhr, Großes Haus
In Kooperation mit dem Bildungswerk Irsee

Bildungswerk Irsee

Theater-Seminar mit dem Landestheater Schwaben

20. & 21. April 2018, Kloster Irsee
Das in Kooperation mit dem Landestheater Schwaben und der Schwabenakademie Irsee durchgeführte Seminar beginnt am Freitagnachmittag mit einführenden historischen Informationen in Kloster Irsee, am Abend folgt ein Aufführungsbesuch in Memmingen. Am nächsten Vormittag schließt sich ein Theater-Gespräch mit der Intendantin und Schauspielern in Irsee an.

Freitag, 20. April 2018
15 Uhr: Begrüßung
Dr. Stefan Raueiser, Bildungswerk und Bildungszentrum Irsee
Dr. Sylvia Heudecker, Schwabenakademie Irsee

15:15 Uhr: NS-„Euthanasie“ und Patientenmorde
Eine historische Einführung
Prof. Dr. Michael von Cranach, Eggenthal und München

20 Uhr: „Nebel im August (Der Fall Ernst Lossa vor Gericht)“
am Landestheater Schwaben

Samstag, 21. April 2018
9 Uhr: NS-„Euthanasie“ in der Heil- und Pflegeanstalt Irsee
Ein historischer Rundgang
Dr. Stefan Raueiser, Bildungswerk und Bildungszentrum Irsee

11 Uhr: „Nebel im August“ – Theatergespräch mit
Robert Domes, Autor
John von Düffel, Dramatiker
Dr. Kathrin Mädler, Intendantin
Miriam Grossmann, Dramaturgin
Jan Arne Looss, Schauspieler
Regina Vogel, Schauspielerin
Moderation: Dr. Sylvia Heudecker, Schwabenakademie Irsee
Kursgebühr € 200,- inkl. Unterkunft und Verpflegung im Einzelzimmer
€ 175,- inkl. Unterkunft und Verpflegung im Doppelzimmer

Anmeldung und Information
Bildungswerk Irsee
Klosterring 4
87660 Irsee
Tel. 08341 906-608 oder -604
info@bildungswerk-irsee.de

Begleitprogramm zu „Nebel im August“:

LESUNG
„HOFFENTLICH IST MEIN BUB NOCH GESUND UND MUNTER…“
Claudia Frost und Fridtjof Stolzenwald lesen aus berührenden und verstörenden Dokumenten der Euthanasie in
Kaufbeuren/Irsee. - Briefwechsel zwischen Angehörigen und Behörden, Tagebucheinträge und Augenzeugenberichte erzählen
aus einer dunklen Zeit der Psychiatrie.
Konzept: Katharina und Prof. Dr. Michael von Cranach.
Sa., 10. März, 20 Uhr, Großes Haus, Eintritt: € 2,50, freie Platzwahl

PUBLIKUMSGESPRÄCHE
Vor der Vorstellung wird zum Vorgespräch zur Romanvorlage und zur lokalen Geschichte der Heil- und Pflegeanstalt
Kaufbeuren/Irsee eingeladen.
Gäste: Autor Robert Domes und Dr. Stefan Raueiser, Leiter des Tagungs- und Bildungszentrums Kloster Irsee.
Nachgespräch im Anschluss an die Vorstellung.
So., 15. April, 17 Uhr, Vorgespräch & Nachgespräch im Anschluss an die Vorstellung, Foyer

NACHGESPRÄCH SPEZIAL
Im Anschluss an die Vorstellung wird ein Nachgespräch mit dem preisgekrönten Dramatiker und Autor der Bühnenfassung von „Nebel im August“ John von Düffel, der Regisseurin Kathrin Mädler sowie Mitgliedern des Ensembles angeboten.
Fr., 20. April, im Anschluss an die Vorstellung, Foyerbühne

Kategorien: Kultur und Heimatpflege, Gesundheit

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