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Rumänische Gäste lernen in Schwaben psychiatrisches Neuland kennen

29.05.2018 Die Partnerschaft zwischen dem Bezirk Schwaben und der Region Bukowina ist stets auch geprägt von sozialen Anliegen, wie dem Jugendschutz und medizinischer sowie psychiatrischer Grundversorgung.

Imm Bild von links: Nicoleta Bȋndilǎ, Niculina Pradan, Cristian Bȋndilǎ, Demetriu Cosmin Alexandru, Manuela Dudeck, Anne Franke, Stefanie Nigel.
Die rumänische Delegation bei der Besichtigung von Haus 44 im Bezirkskrankenhaus (BKH) Günzburg, der ehemaligen forensischen Abteilung (Bild: Katharina Haberkorn, Bezirk Schwaben)

So waren nun vier rumänische Fachkräfte aus den Psychiatrien Suceava-Burdujeni und Campulung in Schwaben, um sich fachlich zu informieren. Für den Arzt Cristian Bȋndilǎ und die Psychologin Nicoleta Bȋndilǎ aus Campulung sowie Arzt Demetriu Cosmin Alexandru und Krankenschwester Niculina Prodan war es der erste Besuch in den schwäbischen Bezirkskrankenhäusern (BKH).

Der langjährige und bereits pensionierte Mitarbeiter des BKH Kaufbeuren und Freund der Bukowina, Klaus Silberberger, organisierte viele Besichtigungstermine, die für die Gäste von Interesse waren. Dabei ging es um ambulante Hilfen und Fragen der Infrastruktur sowie konkrete Therapieangebote wie die Sport-, Arbeits- oder Ergotherapie, die den Besuchern Anregungen für die Arbeit im eigenen Krankenhaus geben sollen. Während der acht Besuchstage lernten die Gäste auch inklusive Projekte kennen, so das „Café Dora" in Kaufbeuren, ein Arbeitsplatz für Besucher der Tagesstätte von „Wohnen und Fördern“. Auch die administrative Seite wurde beleuchtet. Raimund Mittler vom Kompetenzzentrum Schwäbische Sozialpsychiatrie beim Bezirk erläuterte die Bezirksaufgaben und im Besonderen die Ansätze der Gemeindepsychiatrie in Schwaben sowie beispielhaft das Projekt EX-IN, das psychisch erkrankten Menschen bei der Rückkehr in einen Arbeits-Alltag helfen will. Dieser Ansatz traf einen Nerv der Gäste, die neben klinischen Handwerkszeug nachhaltig von den inklusiven und weiterführenden Angeboten beeindruckt waren.

„Unerreichbar" - so war die Zusammenfassung nach einem Vormittag in der Forensik im BKH Günzburg. Professorin Manuela Dudeck und ihre Kolleginnen zeigten die Einrichtung und gaben Auskunft über die tägliche Arbeit. Neben den technischen Raffinessen dieser Einrichtung, waren es wieder die Alltagsanliegen, die zum Nachdenken anregten: Bekommen die Patienten zum Essen richtige Messer? Und wie werden die „gefährlichen" Materialien registriert? Auch materielle Arbeiten der Patienten sowie die Möglichkeiten zur sportlichen Betätigung wurden genau studiert, um bei der Umsetzung von Reformen in der Heimat diese Richtung verfolgen zu können. Der Standard im Bereich Forensik ist im BKH Günzburg sehr hoch, aber auch dort wurde einst mit Stacheldrahtzäunen begonnen, bevor die Schließanlagen die gewünschte Balance zwischen Transparenz und Sicherheit gewährten. „Das nun leerstehende Gebäude (Haus 44), das einst die Forensik beherbergte, steht beispielhaft für diese Veränderungen, die den Kollegen und Kolleginnen aus Rumänien noch bevorsteht", so Katharina Haberkorn, Partnerschaftsbeauftragte für die Bukowina beim Bezirk Schwaben.

Aus den Einrichtungen Burdujeni und Campulung waren in den vergangenen Jahren bereits Kollegen und Kolleginnen zu Gast im BKH Kaufbeuren und anderen Einrichtungen. Für die Gäste ergab sich nun aus den Einzelschritten, die ihre Einrichtungen schon bewältigen konnten, ein Gesamtbild. „Bei anderen Dingen, beispielsweise der Integration in den Arbeitsmarkt, sind die Hürden noch hoch", so die Besucher. Allerdings mit der Betonung auf „noch": Viele Ideen und Anregungen werden mitgenommen und auch der persönliche Kontakt bleibt bestehen. Um die Kontakte im Bereich der Psychiatrien im Rahmen der Regionalpartnerschaft zu stärken, werden Frau Professorin Manuela Dudeck und Stefanie Nigel vom BKH Günzburg sowie Klaus Silberberger (a.D.) vom BKH Kaufbeuren im Juni an einer wissenschaftlichen Sommerschule in Campulung/Rumänien teilnehmen und einem größeren Fachpublikum Einblicke in ihre tägliche Arbeit gewähren.

Kategorien: Europa, Gesundheit