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Rund ums Obst - Erntezeit im Schwäbischen Bauernhofmuseum in Illerbeuren - Obsttag am 1. Oktober 2017

25.09.2017 Pünktlich zum Erntedank dreht sich auch beim diesjährigen Obsttag am Sonntag, den 1. Oktober 2017 im Schwäbischen Bauernhofmuseum Illerbeuren (Landkreis Unterallgäu) alles um alte Obst- und Gemüsesorten.

Ein Mann und eine Frau schauen sich verschiedene Apfelsorten auf einem Tisch an.
Die diesjährige Obsternte des Museums in einer Sortenschau. (Bild: Tanja Kutter / Schwäbisches Bauernhofmuseum Illerbeuren)

Ein Museumstag für Groß und Klein

Wer einen alten Apfelbaum im Garten stehen hat und nicht weiß, welche Sorte dieser trägt, kann sich an Anton Klaus aus Oberneufach/ Markt Wald wenden, der bundesweit einer der wenigen Fachexperten für die Bestimmung von Apfelsorten ist.

Der renommierte Pomologe betreibt seit fast 30 Jahren eine intensive Sortenkunde und bestimmt in Illerbeuren die von Besuchern mitgebrachten Äpfel. Dafür sind drei bis fünf gepflückte Früchte mit Stiel und etwas Blattwerk notwendig. Bei der richtigen Sorten- und Standortwahl von Obstbäumen berät die Baumschule Gold aus Kronburg. Sie bietet Obstbäume, Spalierobst, Rosen oder Kräuter an.Markus Orf, Kreisfachberater für Landschaftsbau und Gartenpflege des Landkreises Unterallgäu, gibt Tipps für das Anlegen eines Gartens oder den Anbau von Obst und Gemüse und weiß Rat bei Schädlingsbefall.

Die Brennerei Franz Salzgeber aus Babenhausen lockt mit Obstbränden und -säften. Nicht nur der Kauf, sondern auch die Verkostung der Destillate ist hier möglich. Ebenso ist die historische, von Hand angetriebene, Lohnmostereipresse von Alois Grueber aus Markt Rettenbach in Betrieb und führt die Verarbeitung des Obstes anschaulich vor.

Die Besucher können sich außerdem beim Bienenzuchtverein Memmingen über die Bedeutung der Biene für den Obstbau informieren. Die Gefährlichkeit der Kreuzkräuter wie zum Beispiel dem Jakobskreuzkraut für Mensch und Tier erläutert achkundig Marianne Stöckeler aus Röthenbach. Die Pilzfreunde aus Altusried beraten zu Pilzen der Region und deren Verwertung, dazu passend können Kinder selbst kleine „Glückspilze“ basteln. Ebenso lädt der Obst- und Gartenbauverein Kronburg-Lautrach-Illerbeuren zum Mitmachen ein, hier werden Herbststräuße und Kränze gebunden. Dass der Herbst auch die Zeit der Vorratshaltung war, wird beim sogenannten Krauthobeln deutlich. Um Sauerkraut herzustellen, mussten die Kohlköpfe gehobelt und das Kraut anschließend gestampft werden, ehe es in großen Steinguttöpfen eingelegt wurde, den „Krautfässern“. Eine notwendige Arbeit, denn Sauerkraut war über den langen Winter eine wichtige Vitaminquelle.

Bei schönem Wetter führt außerdem Museumslandwirt Helmut Brader die herbstlichen Feldarbeiten vor. Nicht mit großen Landmaschinen, sondern mit seinem Pferdegespann pflügt und eggt er die Museumsäcker und sät anschließend aus.

Für die passende Verpflegung ist ebenfalls gesorgt: Die Landfrauen des Kreisverbandes Unterallgäu des Bayerischen Bauernverbandes versüßen den Tag mit Apfelküchle und anderen Leckereien, und beim Heimat- und Gebirgstrachten- Erhaltungsverein Illerbeuren sowie in den beiden Museumsgasthäusern Gromerhof und Torfwirtschaft „Otto Hamp“ können ebenso herbstlich-herzhafte Gerichte genossen werden. Je nach Wetter lädt außerdem im Gelände ein Lagerfeuer zum Backen von Stockbrot und gemütlichen Verweilen ein.

Und nicht zuletzt sind die Museumspferde, die Süddeutschen Kaltblüter Max und Moritz, im Gelände mit der Museumskutsche unterwegs.

Rübengeister läuten die dunkle Jahreszeit ein.
In manchen Dörfern Schwabens wird sie noch gepflegt, die alte Tradition des Rübengeisterschnitzens. Doch dem Rübengeist wird seit einigen Jahren der Rang abgelaufen – vom Speisekürbis. Denn die Futterrübe, einst das klassische Winterfutter für das Vieh, wird heute kaum mehr angebaut. Zu aufwendig sind Pflege und Ernte im Gegensatz zum Mais, der inzwischen als das Futtermittel der Wahl gilt. Und so sind Rübenfelder mittlerweile ein seltener Anblick, lediglich als Winterfutter für Pferde oder Wild findet die alte Kulturpflanze vereinzelt noch erwendung.

Im Bauernhofmuseum wird heuer zum Obsttag die Tradition des Rübenschnitzens am Leben erhalten. Dabei wird die Futterrübe mit dem Löffel ausgehöhlt und anschließend ein Gesicht hineingeschnitten. Ein Teelicht im Inneren lässt den Rübengeist dann zum Leben erwachen.

Gute Luise, Gewürzluiken und Goldparmäne – historische Obstsorten
Solche und andere klangvollen Namen verleihen den alten Obstsorten im Bauernhofmuseum eine beinahe vornehme Note. Etwa 100 von ihnen säumen hier die Wege oder stehen auf den Obstwiesen. Viele dieser Sorten stammen noch aus der Zeit vor 1900 und sind in ihren Eigenschaften an die klimatischen Bedingungen Mitteleuropas sowie ihren jeweiligen Verwendungszweck angepasst. So gibt es zum Beispiel neben den uns vertrauten Tafeläpfeln auch Mostäpfel zur Mostherstellung oder Winteräpfel, die erst nach wochenlanger Lagerung um Weihnachten herum ihren Geschmack entfalten. In einer Sortenausstellung der diesjährigen Ernte können die Besucher die Vielfalt an Obstsorten auf sich wirken lassen. Außergewöhnlich ist der Spaliergarten im Bauernhofmuseum: Um den Ertrag der Obstbäume zu steigern, zog man schon vor über 200 Jahren gerne Formgehölze an den Häuserwänden, das sogenannte Spalierobst. Einige historische Formen dieser heute wieder zunehmend gefragten Gartenkunst sind in Illerbeuren zu sehen.

Weitere Informationen unter www.bauernhofmuseum.de

Kategorien: Museen