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Tagesstätte für seelische Gesundheit im Rösslehaus in Kaufbeuren feiert 20-jähriges Bestehen.

24.07.2017 Die Tagesstätte für seelische Gesundheit im Rösslehaus in Kaufbeuren hat vor kurzem ihren 20. Geburtstag gefeiert. Sie ist eine der ältesten ihrer Art in Schwaben. Innerhalb der Bezirkskliniken und deren Geschäftsbereichs „Wohnen und Fördern" ist sie die älteste. Davon ist im täglichen Betrieb jedoch nichts zu spüren.

Das Rösslehaus, in dem die Tagesstätte untergebracht ist, gilt als einer der schönsten Punkte Kaufbeurens.
Das Rösslehaus, in dem die Tagesstätte untergebracht ist, gilt als einer der schönsten Punkte Kaufbeurens. (Bild: Georg Schalk, Bezirkskliniken Schwaben)

Als die Tagesstätte 1997 aus der Taufe gehoben wurde, da war die Tagesstätte für seelische Gesundheit in Kaufbeuren etwas Besonderes: Menschen, die unter einer seelischen Krankheit litten, sollten raus aus dem stationären Krankenhausalltag. Wer in der Lage war, außerhalb zu wohnen, für den sollte die Tagesstätte eine Anlaufstelle sein, in der man sich trifft, redet, Unternehmungen macht und kleinere Arbeiten durchführt. Man sprach damals von einem „Teilprojekt der Enthospitalisierung der Langzeitbereiche", erinnert sich der Vorstandsvorsitzende der Bezirkskliniken Schwaben, Thomas Düll, noch sehr gut. Die Tagesstätte sollte den Betroffenen eine Tagesstruktur bieten. So ist es heute noch. Nur mit dem Unterschied, dass die Einrichtung inzwischen im Rösslehaus mitten im Grünen untergebracht ist und nicht mehr, wie in der Anfangszeit, im Hauptgebäude des Bezirkskrankenhauses (BKH). Dort befindet sich jetzt die Tagesklinik für seelisch erkrankte Menschen.

Das Domizil an der Kemnater Straße ist top in Schuss und wirkt inmitten der satten Bäume wie ein kleines Idyll. „Es herrscht immer gute Stimmung bei den Besuchern und Mitarbeitern, wenn man hierher kommt", hat Geschäftsbereichsleiter Gerhard Becker festgestellt. Wer sich bei der Feier umhörte, sammelte viele Stimmen, die diese Aussage bestätigen. Zirka 25 Frauen und Männer besuchen die Einrichtung regelmäßig. Dreimal die Woche bereiten sie ein Mittagessen zu, das sie geplant haben. Dafür verwenden sie Lebensmittel, die sie gemeinsam eingekauft haben. „Besucher haben die Bilder hier selber gestaltet. Es gibt auch eine Holz- und Kreativgruppe, die beispielweise Nistkästen und Insektenhotels baut", berichtet die Leiterin der Tagesstätte, Stefanie Gottlieb. Das Café Dora unterhalb des Rösslehauses, täglich von 8 bis 11.30 Uhr geöffnet und seit dem Tag der Jubiläumsfeier rauchfrei, wird in Eigenregie betrieben. Außerdem, so Gottlieb, besteht ein Zuverdienstprojekt, bei dem die Besucher der Tagesstätte für eine Firma aus Neugablonz Kleinspielzeug zusammenstecken und verpacken. Bestens funktioniert auch die Kooperation mit dem Irseer Kreis, wie dessen Geschäftsführer Bertram Sellner betont. Die Tagesstätte vermittelt sechs Personen an die Logistik- und Versandfirma und betreut sie. „Das ist auf dem Gebiet der psychiatrischen Arbeit einzigartig", sagt Sellner lobend.

Der ehemalige Pflegedirektor des BKH war es auch, der die Tagesstätte damals mit aufgebaut hat. Das Konzept, so Vorstandsvorsitzender Düll, stammte vom ehemaligen Oberarzt Christian Schanze. „Die Niederschwelligkeit und spezielle Ausrichtung haben wir bis heute beibehalten", so Düll. Die Tagesstätte sei ein überaus wichtiger Baustein in der Komplementärversorgung von seelisch erkrankten Menschen. Der Bezirk als überörtlicher Sozialhilfeträger finanziert diese Einrichtungen in Schwaben flächendeckend.

Achim Crede von der Leitung Süd von Wohnen und Fördern unterstrich die Bedeutung der beruflichen Integration. „Die Besucher können hier ihre Fähigkeiten ausprobieren, erweitern und stabilisieren", sagt er. Er spüre einen guten Geist und eine Frische im Haus, was nicht zuletzt an der neuen Leiterin Stefanie Gottlieb liege, die seit März 2017 die Tagesstätte Kaufbeuren gemeinsam mit der in Füssen leitet. Ihre Vorgänger waren Michael Wünsch, Rudolf Klinger und Heinz Deger-Erlenmaier.

Stefan Bosse war gleich in dreifacher Funktion zur Feier gekommen, wie er scherzhaft bemerkte. Für ihn als Oberbürgermeister sei die Tagesstätte eine „segensreiche Einrichtung" in einem „wunderschön gestalteten Landschaftspark". Hier könnten Menschen Ruhe finden und wieder aufgebaut werden. Bosse ist auch Mitglied des Bezirkstages. „Der Oberbürgermeister sagt dem Bezirksrat: Das ist gut angelegtes Geld, das Du hier reinsteckst." Und schließlich ist Bosse Mitglied des Verwaltungsrates der Bezirkskliniken Schwaben. Und als solcher freue er sich, dass die Bezirkskliniken so ein vitales Unternehmen seien, „wo es Menschen gibt, die hinter ihrer Sache stehen".

Thomas Düll sieht Parallelen zu seiner Tätigkeit. Da er die Bezirkskliniken Schwaben ebenfalls seit genau 20 Jahren leitet, hat er die Geschichte der Tagesstätte von Anfang an mitverfolgen können. Vom Hauptgebäude des BKH war die Einrichtung ins Rösslehaus gezogen. Einweihung war am 2. Mai 2011. Das Rösslehaus, so hat der Vorstandsvorsitzende recherchiert, stammt aus dem Jahr 1836 und war als Sommerkeller erbaut worden. Düll: „Seinerzeit galt dieser Ort als einer der schönsten Punkte der Stadt Kaufbeuren und ich denke, das gilt auch heute noch."

www.bezirkskliniken-schwaben.de 

Kategorien: Gesundheit