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Volksmusikpreis "Schwäbische Nachtigall" verliehen

Gruppenbild der Familie Wechs zusammen mit Bezirkstagspräsident Jürgen Reichert (Dritter von rechts), Bezirksrat Edgar Rölz (Zweiter von links) und Volksmusikberater Christoph Lambertz (Erster von links). Die Familie Wechs trägt Trachtenkleidung; im Hintergrund ist eines der historischen Gebäude im Schwäbischen Bauernhofmuseum Illerbeuren zu sehen.
Preisträger der Schwäbischen Nachtigall: Die Familie Wechs aus Hinterstein (Landkreis Oberallgäu) (Bild: Tanja Kutter)

13.07.2017 Am „Tag der Volkmusik“ (9. Juli) im Schwäbischen Bauernhofmuseum Illerbeuren (Landkreis Unterallgäu) überreichte Bezirkstagspräsident Jürgen Reichert die Auszeichnung an die Familie Wechs aus Hinterstein (Landkreis Oberallgäu), an Dr. Christoph Löcherbach von der Klangwerkstatt Markt Wald (Landkreis Unterallgäu) und an die Familie Lang aus Thierhaupten (Landkreis Augsburg).

Illerbeuren (pm). Der Volksmusiktag im Bauernhofmuseum ist mit etwa 50 teilnehmenden Musik- und Tanzgruppen, die rund um die historischen Häuser auf dem Museumsgelände aufspielen, die größte Veranstaltung dieser Art in Bayerisch-Schwaben und zieht viele hundert Besucher an. Dieses Jahr bot der Volksmusiktag für den Bezirk Schwaben eine ideale Bühne für die Verleihung der „Schwäbischen Nachtigall“: Sie gilt als „die“ Auszeichnung für besondere Verdienste um die schwäbische Volksmusik. Mit ihr bedankt sich der Bezirk Schwaben bei Sängern, Musikanten und Volkstänzern für ihr ehrenamtliches Engagement. Bezirkstagspräsident Jürgen Reichert betonte bei der Verleihung, dass „die wichtigste Aufgabe der heutigen Volksmusikpflege ist, traditionelle Musizierformen in Gebrauch zu nehmen und ins gesellschaftliche Leben einzubetten. Diese Einstellung war auch immer das erklärte Ziel unserer diesjährigen Preisträger“.

 

Die Preisträger

 

Familie Wechs aus Hinterstein (Landkreis Oberallgäu)

Der Name Wechs ist in der Volksmusikwelt weit über das Allgäu ein Begriff. Die Musikerfamilie aus Hinterstein ist heute in drei Generationen aktiv. Ihre Vorfahren leiteten schon um 1900 die Blaskapelle und den Kirchenchor. 1925 gründet Adalbert Wechs die erste Jodlergruppe. Seine Söhne Albert, Hubert, Herbert und Otto treten ab 1947 als Gesangsgruppe auf. Mit ihrer 1965 gegründeten „Jodlergruppe Gebrüder Wechs" sind sie im Allgäu stilprägend für das Singen im kleineren Ensemble. Durch Rundfunkaufnahmen und Auftritte im In- und Ausland machen sie das Ostrachtaler Mundartlied bekannt. Heute singen bei den „Hintersteiner Jodlern“ die Söhne Tobias, Stefan und Bernhard sowie die Enkel Claudius und Jonas. Außerdem gehören zur Gruppe Richard Lutzenberger und Rupert Schratz.

Auch die Wiederbelebung des Alphorns im Allgäu wird durch Mitglieder der Wechs-Familie aktiv unterstützt. Ab 1960 bauen Albert und Herbert, beide Schreinermeister, sich das schwer zu bekommende Instrument selbst: Unzählige Alphörner sind in ihrer Werkstatt entstanden. Das Handwerk wird heute von Stefan Wechs fortgeführt.

Stefan und Bernhard sind seit fast 40 Jahren auch in der instrumentalen Volkmusikpflege aktiv und treten mit weiteren Familienmitgliedern in verschiedensten Besetzungen auf, etwa als "Familienmusik Wechs". Claudius und Bernhard Wechs sind als gefragte Referenten bei Volksmusikkursen aktiv und tragen zur Weitergabe der instrumentalen Volksmusik bei.

 

 

Dr. Christoph Löcherbach - Klangwerkstatt Markt Wald (Landkreis Unterallgäu)

Vor 24 Jahren gründete Dr. Löcherbach aus dem Siegerland (NRW) die „Klangwerkstatt Markt Wald“, heute ein Zentrum für Instrumentenbau. In den 70er Jahren begann er, damals als praktischer Arzt im Nordschwarzwald tätig, mit dem Entwerfen und Bauen von einfachen Saiteninstrumenten. Auf Flohmärkten, in Museen, Kirchen und Klöstern sucht er historische Instrumente und studiert musikwissenschaftliche Veröffentlichungen. So entstehen zahllose Nachbauten von einfachen historischen Saiteninstrumenten wie Psalterien, Leiern, Fideln, kleinen Harfen, Hackbrettern u.v.a.m. Seine Passion bleibt nicht unbemerkt und es folgen Einladungen zu Ausstellungen, Vorträgen und vermehrt Aufträge für nachgebaute Instrumente. Seine Philosophie ist: Jeder kann sich sein eigenes Instrument erschaffen. Deshalb entwickelt er Instrumentenbau-Kurse, für die man keinerlei handwerkliche oder musikalische Vorkenntnisse braucht. Musik findet für ihn nicht nur auf der professionellen Konzertbühne statt. Sie soll in den Alltag zurückfinden. Seit 1984 widmet sich Dr. Christoph Löcherbach voll und ganz dem Instrumentenbau. Baute er früher Instrumente für Musikerziehung und -therapie oder für Ensembles für Historische Musik, kamen durch Kontakt mit der Volksmusikforschung und -pflege regionale Instrumente wie Harfen, Bassettln und Volksgeigen dazu.

Weil ihm Landschaft, Leute und Dialekt sympathisch waren, ist er 1993 mit seiner Werkstatt nach Markt Wald gezogen und baute einen 400 Jahre alten Brauereigasthof für die Klangwerkstatt und sein Zuhause aus. Hier schuf er ein kulturelles Zentrum und verankerte es im öffentlichen Leben der Region. Neben einer Musikschule finden in der alten Gaststube und im Saal Musikantenstammtische, Sing- und Tanzabende oder kleine Konzerte statt. Immer an Pfingsten wird zu einem großen Musikantentreffen mit Spielkursen eingeladen, zu dem Referenten und Gäste aus aller Welt anreisen. Von der Klangwerkstatt Markt Wald ausgehend haben um die 500 Instrumentenbau-Kurse stattgefunden und es sind mehr als 4000 Instrumente in Kursen gebaut worden. 1997 kam der Zupfinstrumentenmacher André Schubert als Partner Löcherbachs zur Klangwerkstatt und übernahm 2003 deren Leitung.

 

 

Familie Lang, Thierhaupten (Landkreis Augsburg)

Die Familie Lang hat das musikalische Leben im Markt Thierhaupten (Landkreis Augsburg) in den vergangen 40 Jahren maßgeblich geprägt. Marianne und Paul Lang sind 1971 nach Thierhaupten gezogen und dem Gesangverein Harmonie beigetreten. Als 1974 die Leitung des gemischten Chors neu zu besetzen ist, wird sie dem jungen Lehrerehepaar angetragen. Paul gibt die Leitung nach und nach an seine Frau Marianne ab. Mitte der 1970er Jahre ist es ein absolutes Novum, dass eine Frau einen Chor dirigiert. 1981 wird Marianne nach Ihrer Chorleiterausbildung beim Chorverband Bayerisch-Schwaben zur Kreis-Chorleiterin im Sängerkreis Unterer Lech - und damit die erste Kreis-Chorleiterin in Deutschland!

Ein besonderes Gesangsensemble wird 1985 gegründet: Ein Männerdoppelquartett, das sich auf die Pflege traditioneller bayerischer Lieder spezialisiert. Marianne Lang leitet auch die Kirchenchöre der Pfarreien Ziertheim-Dattenhausen und Anwalting-Gebenhofen. Wichtig ist ihr, dass in Ihren Ensembles neben der klassischen und modernen Chorliteratur auch bayerische Volkslieder gesungen werden.

Auch bei der Familie Lang ist die nächste Genration musikalisch sehr aktiv. Die Geschwister Christoph, Bernadette und Veronika sind in Instrumentalgruppen wie „Überzwerch“ aktiv, die sich der Pflege des überlieferten regionalen Tanzmusik-Repertoires angenommen haben. Erwähnenswert ist das Interesse von Christoph Lang an historischer, regionaler Musik. Seit seinem Studium der Volkskunde, der Landesgeschichte und Musikwissenschaft setzt er sich mit historischen Noten auseinander und bringt diese wieder zur Aufführung, etwa das Singspiel „Der Illuminierte Bauer“, das um 1800 im Kloster Ursberg entstanden ist

 

 

Ansprechpartner

Beratungsstelle für Volksmusik des Bezirks Schwaben; Hürbener Wasserschloss, Karl-Mantel-Str. 51, 86381 Krumbach; Telefon 08282-62242; Fax: 08282-61999; volksmusik@bezirk-schwaben.de; www.volksmusik-schwaben.de;

Kategorien: Volksmusikberatung, Trachtenkultur-Beratung, Heimatpflege

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