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Volksmusikpreis „Schwäbische Nachtigall“ verliehen

v. l.: Bezirkstagspräsident Martin Sailer, Evi Heigl (wiss. Mitarbeit Volksmusikberatung), Helmut und Helga Brandt, Christoph Lambertz (Volksmusikberater des Bezirks Schwaben)
Schwäbische für Nachtigall Hartmut Brandt (Mitte) (Bild: Tanja Kutter)

15.07.2019 Am „Tag der Volkmusik“ (14. Juli) im Schwäbischen Bauernhofmuseum Illerbeuren (Lkr. Unterallgäu) überreichte Bezirkstagspräsident Martin Sailer die Auszeichnung an Hartmut Brandt aus Sonthofen (Lkr. Oberallgäu), an die „Nördlinger Musikanten“ und den „Lauterbacher Dreigesang“ (Lkr. Dillingen).

Illerbeuren (pm). Der Volksmusiktag im Bauernhofmuseum ist mit etwa 50 teilnehmenden Musik- und Tanzgruppen, die rund um die historischen Häuser auf dem Museumsgelände aufspielen, die größte Veranstaltung dieser Art in Bayerisch-Schwaben und zieht viele hundert Besucher an. Dieses Jahr bot der Volksmusiktag für den Bezirk Schwaben wieder eine ideale Bühne für die Verleihung der „Schwäbischen Nachtigall“: Sie gilt als „die“ Auszeichnung für besondere Verdienste um die schwäbische Volksmusik. Mit ihr bedankt sich der Bezirk Schwaben bei Sängern, Musikanten und Volkstänzern für ihr ehrenamtliches Engagement. Bezirkstagspräsident Martin Sailer betonte bei der Verleihung, dass „die wichtigste Aufgabe der heutigen Volksmusikpflege ist, traditionelle Musizierformen in Gebrauch zu nehmen und ins gesellschaftliche Leben einzubetten. Diese Einstellung war auch immer das erklärte Ziel unserer diesjährigen Preisträger“.

Nördlinger Musikanten (Lkr. Donau-Ries)
Bei einer Gruppe, die seit gut über dreißig Jahren besteht, muss man einen Blick in die Vergangenheit werfen: 1976 hatten Ernst Mayer (Gitarre) und Werner Eisenschink (Akkordeon) die Idee, in Nördlingen eine Kindermusikschule zu gründen. Lange übernahm Ernst Mayer im Ehrenamt die Leitung, auch heute ist er noch in der Geschäftsführung tätig. 1979 gegründeten Ernst Mayer und Joachim Gericke (Zither) an der Schule eine Volksmusikgruppe, aus der 1987 die „Nördlinger Musikanten“ hervorgingen. Bis 2016 gehörte auch Alfred Pichl als Bassist zur Gruppe. Die Gruppe wurde bald zu einem volksmusikalischen Aushängeschild des Nördlinger Rieses, sowohl bei örtlichen Ereignissen als auch über den Kraterrand des Rieses hinaus. Drei Konzerttourneen führten sie zwischen 1993 und 1997 sogar nach Japan.
Das Repertoire der Nördlinger Musikanten ist sehr vielseitig. Sie können für Volkstänzer die überlieferten Rieser Tänze aufspielen, für die Adventszeit gibt es staade Musik, beim Offenen Singen stimmen sie Lieder aus Schwaben und Franken zum Mitsingen an oder sie spielen für ihr Publikum einfach Unterhaltungsmusik. Zitherspieler Joachim Gericke schaut sich in den Volksmusikarchiven in Krumbach und Uffenheim immer wieder nach historischen Stücken um, richtet diese für Stubenmusik ein, publiziert und gibt Neues bei Seminaren an andere Musikanten weiter. Die Zusammenarbeit mit den Volkmusikinstitutionen ist sehr eng. Ernst Mayer gehörte viele Jahre dem Arbeitskreis für Volksmusik in Schwaben an. Joachim Gericke ist ein gefragter Referent bei Volksmusiklehrgängen, u.a. beim Bezirk Schwaben, dem Bayerischen Landesverein für Heimtatpflege und dem Landesverband „Zither in Bayern“.
Mit Liedernachmittagen im „Museum KulturLandRies" in Maihingen motivieren sie seit vielen Jahren begeisterte Mitsänger zum Singen von Weihnachtsliedern und im Frühjahr zum Volksliedersingen. Zum Mitsingen ist das Publikum auch beim aktuellen Projekt der Nördlinger Musikanten eingeladen: In der Synagoge Hainsfarth präsentierten sie zum wiederholten Male „Verfemte Musik“, mit Liedern aus der Feder von jüdischen Textern und Komponisten aus dem Ries, die während der Zeit des Nationalsozialismus auswandern mussten oder ermordet wurden. Als Historiker publiziert Werner Eisenschink zum Thema oder hält Vorträge dazu.

Lauterbacher Dreigesang (Lkr. Dillingen)
Dieser besteht aus den Schwestern Johanna Wech und Marlies Landherr sowie deren Cousine Ulrike Heindl. Die Begeisterung für den Gesang hat in der Verwandtschaft Tradition. Ihre musikalische Laufbahn begann im Lauterbacher Kirchenchor. Mit der schwäbischen Volksmusikpflege kamen sie Mitte der 1980er Jahre als Mitglieder der Frauenstetter Stubenmusik in Berührung. Als “Lauterbacher Dreigesang“ debütierten sie 1986 bei einem „schwäbischen Hoigarta“ mit Kreisheimatpfleger Alois Sailer. Der Name ergab sich aus ihrem damaligen Wohnort, einem Ortsteil der Gemeinde Buttenwiesen. Mit der „Kleinkunstbühne Lauterbach“ verbindet den Dreigesang über die Jahre hinweg eine gute Zusammenarbeit, z.B. gab es viele Jahre einen „Schwäbischen Hoigarta“ im restaurierten barocken Pfarrhof in Lauterbach. Ab 1997 organisieren die Sängerinnen ihren eigenen Hoigarta, der recht erfolgreich wurde, auch weil dort mit den Gästen zusammen gesungen wird und gespielte Sketche der Drei für Erheiterung sorgen. Neben den Volksmusikabenden sind die Auftritte im Kirchenraum das weitere große Betätigungsfeld des Lauterbacher Dreigesangs. Dazu gehören Kirchenkonzerte wie Passionssingen, Mariensingen, Advents- und Weihnachtskonzerte, auch Gottesdienstgestaltungen, Maiandachten, Fastenandachten und Rorate-Messen. Bei Hochzeiten, Kommunionen, Taufen und Beerdigungen sind die Sängerinnen für die würdige musikalische Gestaltung gefragt. Alle zwei Jahre organisieren sie ein Adventskonzert in Kloster Holzen. Der Lauterbacher Dreigesang ist ein wichtiger Teil der „musikalischen Nahversorgung“ im Raum Wertingen, z.B. bei Seniorennachmittagen, Geburtstagen, Musikantentreffen, Weihnachtsfeiern, Aufspielen beim Wirt, bei Kulturtagen, Neujahrsempfängen, Pfarrfamilienabenden oder Auftritten im Seniorenheim.
Dabei ist nicht allein die Vielzahl der Auftritte bemerkenswert, sondern die auch die musikalische Qualität. Die Sängerinnen legen Wert auf einen homogenen Dreigesang mit einem stimmig präsentierten Klangbild der Lieder. Sie haben Freude an innovativen Strömungen in der Volksmusik, schreiben eigene Lieder und Texte. Einladungen zu CD-, Rundfunk- und Fernsehproduktionen bestätigen ihre Qualität.
An Ideen und Singfreude mangelt es nicht, auch über die Volksmusik hinaus: Die Sängerinnen teilen ihre Liebe zum Singen auch mit den Jüngsten: über die musikalische Früherziehung, Kindersingstunden und Volkstanz stellen sie seit Jahrzehnten immer wieder die Weichen für die musikalische Entwicklung vieler Kinder. So prägen sie nicht zuletzt die musikalische Landschaft in ihren Heimatorten mit.

Hartmut Brandt, Sonthofen (Lkr. Oberallgäu)
Hartmut Brandt, gebürtiger Niederbayer, kam Mitte der 1970er Jahre als junger Lehrer ins Allgäu, unterrichtete die Fächer Biologie/Chemie und Sport. Die Musikinstrumente, die er heute spielt, hat er sich nach und nach autodidaktisch angeeignet. Über die Jahre kamen Gitarre, Hackbrett, Harfe und Kontrabass hinzu - und damit die Liebe zu überlieferter Musik. Sein pädagogisches Geschick als Lehrer am Gymnasium Sonthofen setzte er auch im musikalischen Bereich ein. Er suchte sich gute Instrumentalisten an seiner Schule und begeisterte sie für Volksmusik, ging mit Schülergruppen auf Lehrgänge der Beratungsstelle für Volksmusik, gründete Stubenmusikgruppen, die auch überregional bekannt wurden und Ansehen erlangten.
„Hartmut Brandt will Menschen von Volksmusik begeistern − und das ist ihm auch gelungen!“, sagt Schwabens Volksmusikberater Christoph Lambertz. Brandt trug zu zahlreichen Gruppenbildungen bei, wie beispielsweise zu: Hagibazi, Zimbergingesch Saitenmusik, Oberallgäuer Raffele- und Scherrzithermusik sowie zu zahlreichen Volksmusikgruppen am Gymnasium Sonthofen.
Mit der Zeit wagte sich Hartmut Brandt auch an das „Selberstricken“ von Musikstücken für Stubenmusik-Besetzungen. Der Kontakt mit jungen Leuten hat ihn auch angespornt, Stücke zu schreiben, die „flott“ und „etwas anders“ klangen, Überraschungsmomente bargen, was nicht jedem Traditionalisten gefiel.
Hartmut Brandt engagierte sich in einigen Organisationen und Verbänden und tut es z.T. heute noch, z.B. ist er Mitglied im Arbeitskreis für Volksmusik des Bezirks Schwaben, Kursleiter bei verschiedenen Lehrgängen für Stubenmusik und Raffele und war ehemals Mitglied bei der Arbeitsgemeinschaft schwäbischer Volkstumsgruppen, von 2010 bis zur Auflösung 2015 stellvertretender Vorsitzender. Er war Volksmusikbeauftragter des bayerischen Kultusministeriums für alle bayerischen Schulen (ca. 1996-2006). Seine Fähigkeit, Jugend zu motivieren und zu begeistern, blieb auch an höheren Stellen nicht verborgen. Ihm wurde die Aufgabe übertragen, Probenwochenenden, Seminare und Konzerte von Volksmusikgruppen aller Schularten bayernweit zu planen und zu koordinieren, was er mit großem Eifer und Engagement anging.
Aus dieser Arbeit hat sich letztendlich auch der „Tag der Volksmusik“ im Bauernhofmuseum in Illerbeuren entwickelt. Die erste Veranstaltung 2003 war noch als Volksmusiktag für schwäbische Schulen ausgelegt, die nächste 2004 dann bereits als allgemeiner „Tag der Volksmusik“, bei dessen Vorbereitung er heute noch beteiligt ist. Christoph Lambertz, Schwabens Volksmusikberater bringt´s auf den Punkt: „Pädagogisches Geschick, Begeisterungsfähigkeit und das Zusammenbringen von Musikern sind eine unschlagbare Stärke von ihm!“

Ansprechpartner
Beratungsstelle für Volksmusik des Bezirks Schwaben; Hürbener Wasserschloss, Karl-Mantel-Str. 51, 86381 Krumbach; Telefon 08282-62242; Fax: 08282-61999; volksmusik@bezirk-schwaben.de

www.volksmusik-schwaben.de

Bild: Nördlinger Musikanten 
v. l.. Bezirkstagspräsident Martin Sailer, Werner Eisenschink, Ernst Mayer, Alfred Pichl, Joachim Gericke, Christoph Lambertz (Volksmusikberater des Bezirks Schwaben), Evi Heigl (wiss. Mitarbeiterin der Volksmusikberatung).

Bild: Lauterbacher Dreigesang
v. l.: Evi Heigl (wiss. Mitarbeiterin der Volksmusikberatung des Bezirks Schwaben), Bezirkstagspräsident Martin Sailer, Marlies Landherr, Ulrike Heindl, Johanna Wech, Christoph Lambertz (Volksmusikberater des Bezirks Schwaben).

Kategorien: Volksmusikberatung, Trachtenkultur-Beratung