Selbsthilfe-Kontaktstelle Kempten/Allgäu feiert 10jähriges Bestehen.

12. November 2019: „Selbsthilfe – sie macht unsere Gesellschaft menschlicher.“ Kemptens Bürgermeisterin Sibylle Knott machte sich beim 10jährigen Bestehen der Selbsthilfe-Kontaktstelle Kempten/ Allgäu für die Selbsthilfe stark. „In den Selbsthilfegruppen gibt es Dinge, die stehen in keinem Buch und auch nicht im Internet!“ Sie böten Halt in der Krise.
Der Chor der Parkisonvereinigung Regionalgruppe Kempten begleitete das Fest zum 10jährigen Bestehen der Selbsthilfe-Kontaktstelle musikalisch.

Maria Lerchl (rechts) nahm die Ehrung für 35 Jahre Parkisonvereinigung Regionalgruppe entgegen. Die Gruppe trifft sich seit 35 Jahren wöchentlich! Links im Bild „Mitsängerin“ Cornelia Beyrer.

Rund 100 Gäste aus nah und fern waren der Einladung ins Altstadthaus gefolgt. Die wertschätzenden Grußworte, die herzlichen Umarmungen und Gesten machten deutlich, wie sehr sich die Kontaktstelle mit Cornelia Beyrer und Annika Schmäing (seit 2016) in Kempten und dem Umland etabliert hat.

Barbara Holzmann, Vizepräsidentin des schwäbischen Bezirkstages nannte die Vertreterinnen und Vertreter der Selbsthilfegruppen unter dem Dach der Selbsthilfe-Kontaktstelle Kempten/Allgäu „Mutmachleute“. Sie begab sich in ihrem Vortrag auf Spurensuche nach dem Geheimnis der Selbsthilfe: „Bei Gleichgesinnten Verständnis finden, was niemand wirklich kann der von der entsprechenden Krankheit nicht betroffen ist, ist glaube ich eines der großen Geheimnisse der Selbsthilfe.“ Sie sah die Selbsthilfe als eigenständiges Hilfesystem an. „Das ist nicht einfach nur eine Ergänzung.“

Medizinaldirektor Dr. Ulrich Storr, Amtsleiter des Gesundheitsamtes der Stadt Augsburg und Chef der Selbsthilfe-Kontaktstellen in Augsburg und Kempten, erinnerte an die Entstehungsgeschichte der Selbsthilfe-Kontaktstelle in Kempten. „Vor 13 Jahren war hier auf der Landkarte noch ein weißer Fleck.“ Nach der Vorbereitungszeit sei dann 2009 die Zweckvereinbarung über die Errichtung des Selbsthilfebüros erfolgt. Als Mediziner wusste er; „Gute Behandlung gelingt nur im Austausch.“ Der Arzt habe zwar das Wissen über die Krankheit, „er ist aber nicht der Experte Ihrer Gesundheit.“ Daher war sein Wunsch an die Jubiläumsrunde: „Es ist Ihre Gesundheit – kümmern Sie sich darum!“

Ein Name der in Zusammenhang mit dem Aufbau der Kontaktstelle immer wieder fällt, ist Peter Aierstock. Als Vertreter der AOK Kempten/ Oberallgäu zog er seinerzeit erste Fäden, kontaktierte Petra Seidel von der Augsburger Kontaktstelle wegen Fortbildungsmöglichkeiten für Selbsthilfeaktive. Cornelia Beyrer, von Anfang an Leiterin der Kemptener Selbsthilfe-Kontaktstelle, nannte ihn einen Selbsthilfe-Unterstützer mit Herzblut.

Ein weiterer Name der nicht fehlen darf: Edith Hersping. Sie baute drei Selbsthilfegruppen mit auf, wirkte in der Kontaktstelle mit und war stets aktiv in der Krebsberatung. Sie stellte in einem kurzen Vortrag die Frage „Selbsthilfe warum?“ und machte deutlich, wie die Übernahme der eigenen Verantwortung für die Gesundheit das Immunsystem stärkt. Sie forderte die Mitwirkung der Selbsthilfe in der Sozial- und Gesundheitspolitik, nannte sie die vierte Säule im Gesundheitswesen, die „nicht mehr wegzudenken ist“.

Auch Hersping meinte: „Niemand kann uns die Verantwortung für die eigene Gesundheit abnehmen!“ Dennoch gebe es oft noch Vorurteile gegen die Selbsthilfegruppen. „Statt Kaffeekränzchen geht es darum, die eigenen gesunden Anteile zu stärken, sich um die beste Info zu kümmern, sich auszutauschen: „Tränen, Leid und Tod lassen sich in der Gruppe besser aushalten. Es besteht ein Mitgefühl unter Betroffenen.“

Cornelia Beyrers meinte: „Mir ist das Gefühl von Machtlosigkeit, Ausgeliefertsein und Angst durchaus vertraut. Sie nannte es wichtig, die Angst vor der Angst zu überwinden. „Sehr viele hier Anwesende haben dies bereits getan oder tun es jeden Tag aufs Neue. Ich danke Ihnen für diesen Mut.“

Geehrt wurden an diesem Abend: die Schmerzselbsthilfegruppe Kempten/ Oberallgäu und die Selbsthilfegruppe Depression (beide 5 Jahre), die Defibrillator Selbsthilfegruppe und die Gruppen für Menschen mit Alkoholproblemen (10 Jahre), die Rheumaliga Kaufbeuren (20 Jahre),
Freundeskreis Suchtkrankenhilfe Mindelheim (30 Jahre) und die Parkinson Regionalgruppe Kempten (35 Jahre).

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