Umzug in Oberschönenfeld: Das Museum eröffnet sein neues Sammlungszentrum
Gessertshausens Bürgermeister Jürgen Mögele, Bezirkstagspräsident Martin Sailer, Sammlungsleiterin Dr. Eva Bendl, Äbtissin M. Gertrud Pesch, Abt Theodor Hausmann und Museumsleiter Simon Kotter schneiden zur Eröffnung des neuen Sammlungszentrum Oberschönenfeld gemeinsam das Band durch.
Sammeln, bewahren und forschen – das gehört zu den Kernaufgaben eines jeden Museums. Dem Museum Oberschönenfeld ist das ab sofort mit seinem neuen Sammlungszentrum unter einem Dach möglich. Am 15. Februar eröffneten Bezirkstagspräsident Martin Sailer, Museumsleiter Simon Kotter und Sammlungsleiterin Dr. Eva Bendl das neue Gebäude auf dem Weiherhof. „Mit dem Bau des Sammlungszentrums leistet der Bezirk einen wertvollen und nachhaltigen Beitrag zur Bewahrung des kulturellen Erbes unserer Region“, sagt Bezirkstagspräsident Martin Sailer bei der Eröffnung. Zusammen mit dem Kunst_Raum Weiherhof schafft der Bezirk damit einen neuen Ort der Kultur im Landkreis Augsburg.
Das Sammlungszentrum ist mehr als ein reines Depot. Verteilt auf zwei Stockwerke umfasst das Gebäude 2.700 Quadratmeter. Davon sind rund 1.500 Quadratmeter für die Lagerung der Objekte vorgesehen. Über 100 Rollregale mit über 2.000 Einlegeböden sind zum Aufbewahren von Objekten aufgestellt. Die Gemäldezuganlage umfasst 300 Quadratmeter Hängefläche. Zudem sorgen Arbeits- und Büroräume dafür, dass erstmals in der Geschichte des Museums Konservierung, Restaurierung, Inventarisierung, Dokumentation und Forschung an einem Ort möglich sind.
Ein Spiegel der schwäbischen Kunst und Alltagskultur
Die zahlreichen Objekte zeigen das Kunstschaffen in Schwaben und dokumentieren die regionale Alltagskultur, beispielsweise die Lebenswelt der Landbevölkerung. Die Artefakte spiegeln nicht nur Kriegs- und Krisenzeiten wider, sondern zeugen auch von Innovationen und Mobilität. Die Sammlung reicht von großen Objekten wie einer Kartoffeldämpfkolonne aus Bobingen bis hin zu winzigen Gegenständen wie einem Teddybären aus Holz für die Puppenstube. Die ältesten Objekte stammen aus dem 16. Jahrhundert.
Bislang verteilte sich die museale Sammlung mit über 50.000 Objekten auf mehrere Depots in unterschiedlichen Gebäuden auf dem Gelände der Abtei Oberschönenfeld. „Endlich sind alle Objekte vereint“, erzählt Sammlungsleitung Dr. Eva Bendl. „Die Bedingungen für ihre langfristige Aufbewahrung sind dank konstanter Temperaturen und einer Lüftungsanlage bald besser denn je.“
Mehr als nur ein Depot
Ihr und ihrem vierköpfigen Team steht in den nächsten Jahren ein umfangreicher Umzugs- und Revisionsprozess bevor. Die Mitarbeitenden begutachten dafür jedes Objekt, halten Informationen in der Inventar-Datenbank fest und fertigen bei Bedarf neue Fotos an. Danach folgt eine Objektprüfung mit Reinigung, und – falls notwendig – Restaurierung. Auch auf Schadstoffe, wie zum Beispiel Biozide, und auf Schädlingsbefall werden die Objekte untersucht.
Sollten der Zustand, die Schadstoffbelastung oder andere Gründe für eine Aussonderung von Sammlungsgut sprechen, prüfen dies die Mitarbeitenden. Alle Objekte, die eingelagert werden, verpacken sie schließlich und transportieren sie sachgerecht zum Weiherhof.
Im Rahmen des Internationalen Museumstages öffnet das Sammlungszentrum am Sonntag, den 17. Mai zum ersten Mal seine Türen für die Öffentlichkeit. Das Team gewährt an diesem Tag Einblick hinter den Kulissen.
Das Museum Oberschönenfeld besteht seit 1984 und zeigt Dauer- und Sonderausstellungen zur Alltagskultur im bayerischen Schwaben. In seinem Kunstforum – zuvor Schwäbische Galerie – stellt es überwiegend zeitgenössische Kunst schwäbischer Künstlerinnen und Künstler aus.
Kurz-Interview mit Dr. Eva Bendl, Leiterin des Sammlungszentrums Oberschönenfeld
Das Sammlungszentrum ist eröffnet. Welche Vorteile bringt es für die Museumsarbeit?
Im neuen Sammlungszentrum sind nicht nur alle Objekte vereint und unter idealen Bedingungen gelagert, sondern auch gut zugänglich. Wir verfügen zukünftig über Räume zur Quarantäne und Dekontamination, um Objekte zu überwachen und auf Schäden, Schadstoffe oder Schädlingsbefall zu prüfen. Dass sich außerdem direkt neben den Depoträumen die Restaurierungswerkstatt und die Arbeitsräume zur Forschung befinden, erleichtert uns die Konservierung und Dokumentation. Und das wiederum ist für Ausstellungstätigkeit des Museums von großem Nutzen.
Welche Gegenstände werden künftig im Sammlungszentrum gelagert?
Ganz verschiedene. Zahlreiche Materialien sind vertreten: Holz, Metall, Keramik, Textilien, aber auch Wachs, Papier und Kunststoffe. Gemeinsam ist den Objekten ihr Bezug zur Region Schwaben. Das älteste Sammlungsgut stammt aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Dazu zählen beispielsweise Klosterarbeiten aus der Abtei Oberschönenfeld. Auch zeitgenössische Gegenstände gehören zur Sammlung, wie zum Beispiel das Handy einer aus Syrien geflüchteten Familie.
Dieses Gebäude ist nicht nur ein Depot, es ist eine Schatzkammer. Die hier aufbewahrten Objekte mögen zwar oftmals keinen großen monetären Wert besitzen, doch sind sie wertvoll in anderer Hinsicht: Mit ihrer Hilfe lassen sich Geschichte und Geschichten erzählen, die uns den Facettenreichtum der Region Schwaben vor Augen führen: Einzelschicksale und Unternehmensgeschichten, Geschichten von Außenseitern und Zusammengehörigkeitsgefühlen, vom harten Arbeitsalltag, von Festen und vom Freizeitvergnügen. In Zeiten von KI-generierten Bildern und Fake News sind sie Zeugen der Vergangenheit.
Außerdem haben wir viele Kunstobjekte – Gemälde, Zeichnungen, Druckgrafiken und Skulpturen – von schwäbischen Künstlerinnen und Künstlern in unserem Bestand. Einen Einblick in die Vielfalt der Objekte bietet das Internetportal Bavarikon. Hier lassen sich über 1.000 Objekte aus unserer kulturhistorischen Sammlung mit Foto und Hintergrundinformationen erkunden.
Wie gefällt Ihnen persönlich das Sammlungszentrum?
Sehr gut. Es ist ein hochfunktionaler Zweckbau, bei dem die Ästhetik aber nicht außer Acht gelassen wurde. Der Ort schlägt übrigens eine historische Brücke nach Oberschönenfeld: Denn der Weiherhof gilt als Keimzelle der Abtei Oberschönenfeld. Dort stellten um das Jahr 1200 die Grafen von Dillingen einer Laiengemeinschaft frommer Frauen eine Wohnung zur Verfügung. Ein paar Jahre später schlossen sich diese dem Orden der Zisterzienserinnen an und zogen nach Oberschönenfeld. Diese Verbindung wird nun wieder aufgegriffen und mit neuem Leben gefüllt. Zusammen mit dem unmittelbaren Nachbarn, dem Kunst_Raum Weiherhof entsteht ein facettenreicher Ort der Kultur im Landkreis Augsburg.