Modellprojekt zur Stärkung der Suchthilfe in Augsburg zeigt erste positive Ergebnisse

22. April 2026: Das vom Bezirk Schwaben finanzierte Modellprojekt „Stärkung der Suchthilfe in Augsburg“ ist im März 2024 gestartet. Eine erste Zwischenbilanz zeigt: Mehr aufsuchende Arbeit, mehr medizinische Angebote und eine engere Betreuung verbessern die Erreichbarkeit von Menschen mit Abhängigkeitserkrankungen.
Louisa Schilberth (links) und Samuel Westner führen HCV- und HIV-Testungen durch - Foto: Katrin Wimmer

Seit dem 1. März 2024 läuft in Augsburg das auf drei Jahre angelegte Modellprojekt „Stärkung der Suchthilfe“, das der Bezirk Schwaben mit insgesamt 1,25 Millionen Euro finanziert. Ziel ist es, die Versorgung von Menschen mit Abhängigkeitserkrankungen und Substanzkonsum nachhaltig zu verbessern und den Zugang zu Hilfsangeboten zu erleichtern. Bezirkstagspräsident Martin Sailer betont die Bedeutung des Vorhabens: „Dem Bezirk ist es Anliegen und Verpflichtung zugleich, die Suchthilfe vor Ort zu stärken und Betroffenen bestmöglich zu helfen.“

Aufsuchende Arbeit deutlich ausgebaut

In der praktischen Umsetzung arbeiten die Drogenhilfe Schwaben und das Jugendamt der Stadt Augsburg eng zusammen. Ein Schwerpunkt liegt auf der aufsuchenden Straßensozialarbeit. Seit Projektbeginn sind vier statt zuvor zwei Streetwork-Mitarbeitende im Einsatz. Sie sind insbesondere am Königsplatz, am Hauptbahnhof sowie am Helmut-Haller-Platz in Oberhausen tätig und suchen den Kontakt zu Menschen mit Substanzabhängigkeit direkt vor Ort.

Die Zahl der Kontakte ist dadurch deutlich gestiegen: von 2.078 im Jahr 2024 auf 10.027 im Jahr 2025. Ziel ist es, frühzeitig Vertrauen aufzubauen, Hilfebedarfe zu erkennen und Betroffene in das Suchthilfesystem zu vermitteln.

Ausbau von Substitution und Betreuung

Auch die medizinische und sozialpädagogische Versorgung wurde erweitert. In der Substitutionsbetreuung, bei der illegale Substanzen durch Ersatzmedikamente wie Methadon ersetzt werden, stieg der Umfang der geleisteten Arbeitsstunden von 5.788 auf 8.597 Stunden. Gleichzeitig konnten mehr Menschen über die aufsuchende Sprechstunde erreicht werden (2024: 228 Personen; 2025: 390 Personen).

Mehr Tests und niedrigschwellige Gesundheitsangebote

Deutliche Zuwächse gibt es zudem bei Gesundheitsangeboten. Die Zahl der Hepatitis-C-Testungen stieg von 85 im Jahr 2024 auf 224 im Jahr 2025. HIV-Testungen wurden erstmals umfassend durchgeführt und erreichten 182 Personen. Ziel ist es, Infektionen frühzeitig zu erkennen und entsprechende Behandlungen einzuleiten.

Weiterentwicklung der Angebote vor Ort

Darüber hinaus plant die Drogenhilfe Schwaben für den Sommer die Installation eines Spritzenautomaten in der Augsburger Innenstadt. Er soll sterile Konsumutensilien wie Spritzen und Nadeln bereitstellen. Bereits umgesetzt wurde die Aufstellung von Spritzenabwurfbehältern zur sicheren Entsorgung gebrauchter Materialien.

Wissenschaftliche Begleitung und Evaluation

Das Bezirkskrankenhaus Augsburg begleitet das Modellprojekt wissenschaftlich. Im Fokus stehen medizinische, soziale und ordnungsrechtliche Aspekte. Die Ergebnisse sollen dazu beitragen, erfolgreiche Ansätze zu identifizieren und langfristig in der Suchthilfe zu verankern.