Zwischenbilanz: Modellprojekt des Bezirks Schwaben zur Suchthilfe in Augsburg zeigt erste Erfolge
Eine nachhaltig bessere Situation für Menschen, die illegale Substanzen konsumieren – dieses Ziel hat das auf drei Jahre angelegte Modellprojekt „Stärkung der Suchthilfe in Augsburg“, das der Bezirk Schwaben finanziert. Bezirkstagspräsident Martin Sailer freut sich über die ersten Erfolge des Projekts: „Dem Bezirk ist es Anliegen und Verpflichtung zugleich, die Suchthilfe vor Ort zu stärken und Betroffenen bestmöglich zu helfen.“
Die Rolle der Drogenhilfe Schwaben
In Augsburg gestalten die Drogenhilfe Schwaben sowie das Jugendamt der Stadt Augsburg die konkreten Maßnahmen aus. Uwe Schmidt, Geschäftsführer der Drogenhilfe Schwaben, zeigt sich mit dem Projekt zufrieden: „Das Projekt ist eine echte Erfolgsgeschichte. Wir erreichen dadurch Menschen früher, können gezielter helfen und machen die Suchthilfe in unserer Region insgesamt wirksamer. Genau dieses Angebot hat hier bislang gefehlt – und es findet mittlerweile auch über die Grenzen Schwabens hinweg Beachtung. Der Bezirk Schwaben zeigt, was möglich ist, wenn die richtigen Institutionen an einem Strang ziehen. Besonders wichtig ist, dass das Projekt langfristig gesichert und gefördert wird – damit wir diese Erfolge auch in Zukunft weiter ausbauen können.“
Viele Maßnahmen für ein Ziel
Seit Projektstart sind vier statt zuvor zwei Mitarbeitende im Bereich Streetwork tätig. Sie arbeiten vorrangig am Königsplatz, am Hauptbahnhof sowie am Helmut-Haller-Platz in Oberhausen. Sie suchen die Konsumentinnen und Konsumenten auf der Straße und an einschlägigen Plätzen auf und bauen Vertrauen auf. Ziel ist es, diese an Hilfsangebote heranzuführen und langfristig beim Ausstieg aus der Abhängigkeit zu unterstützen.
- Steigerung der Kontakte (z. B. Gespräche mit Menschen mit Suchterkrankungen) – 2024: 2.078, 2025: 10.027
- Steigerung der Betreuungen (z. B. erstmalige Anbindung Betroffener an das Hilfesystem, Vermittlung in Therapie) – 2024: 231, 2025: 50
Auch die Maßnahmen im Rahmen der Substitutionsbetreuung zeigen erste Wirkung. Bei dieser Betreuung werden illegale Substanzen wie Heroin durch langwirksame, legale Medikamente wie Methadon ersetzt:
- Investierte Stunden von Mitarbeitenden der Drogenhilfe in der Substitutionsbetreuung – 2024: 5.788 Stunden, 2025: 8.597 Stunden.
- Erreichte Personen in der Aufsuchenden Sprechstunde im Rahmen der Substitutionsbetreuung – 2024: 228 Personen, 2025: 390 Personen.
Des Weiteren konnten die Mitarbeitenden der Drogenhilfe mehr abhängigkeitserkrankte Menschen ermuntern, sich auf das Hepatitis-C-Virus (HCV) und HIV testen zu lassen. Die Ansteckungsgefahr ist für diese Personengruppe besonders hoch, da hier oft das Spritzbesteck geteilt wird.
- HCV-Testungen – 2024: 85, 2025: 224
- HIV-Testungen – 2024: 0, 2025: 182
Die Drogenhilfe in Augsburg plant, im Sommer dieses Jahres einen Spritzenautomaten in der Innenstadt aufzustellen, um Betroffenen sterile Utensilien für den Konsum wie Spritzen und Nadeln zur Verfügung zu stellen. Bereits aufgebaut sind geeignete Spritzenabwurfbehältnisse, welche benutze Spritzen sicher und für andere unzugänglich verschließen.
Wissenschaftliche Begleitung
Um die Situation von Menschen mit Abhängigkeitserkrankungen und Substanzabhängigkeit langfristig verbessern zu können, begleitet das Bezirkskrankenhaus Augsburg das Modellprojekt wissenschaftlich. Dabei verfolgen der wissenschaftliche Leiter und Oberarzt Marcus Gertzen und sein Team einen ganzheitlichen Ansatz, der medizinische, soziale und ordnungsrechtliche Fragen berücksichtigt. Als wissenschaftlicher Leiter betreut Gertzen gemeinsam mit seinem Team nicht nur das Modellprojekt in Augsburg, sondern auch das zu Beginn des Jahres 2025 in Kempten gestartete Projekt: „Mit dem Projekt zur Stärkung der Suchthilfe in Augsburg und Kempten eröffnet sich uns die Chance, bestehende Strukturen sichtbar zu machen, Barrieren zu überwinden und die Versorgung von Menschen mit Abhängigkeitserkrankungen in Schwaben nachhaltig zu verbessern.“
Über das Modellprojekt
Das Modellprojekt des Bezirks Schwaben hat einen Gesamtumfang von 1,25 Millionen Euro. „Die Suchthilfe vor Ort zu stärken und Betroffenen bestmöglich zu helfen, zahlt sich übrigens auch in finanzieller Hinsicht aus“, betont Bezirkstagspräsident Martin Sailer. Jeder in die Suchthilfe investierte Euro spart rund 17 Euro Folgekosten beispielsweise für Krankenbehandlungen, Arbeitslosigkeit oder Strafvollzug ein. Zu diesem Ergebnis kam eine Studie im Auftrag des Bayerischen Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit.